Vom Kirchplatz zum Schul- und Sportzentrum Schulen und Sportstätten in Emsbüren nach 1800

Nur noch wenige werden sich daran erinnern, daß sich die Schulen in Emsbüren, bevor das Schulzentrum gegründet wurde, in der Nähe der Kirche befanden. Auf dem Platz des heutigen Michaelsheimes und des Hauses „Geist", also nördlich der Kirche, lagen damals zwei Schulhäuser. Die Kirche selbst, die in der Zeit nach 1800 noch nicht den hohen Turm und das breite Nordschiff besaß, war noch vom Friedhof umgeben. Die räumliche Nähe des Kirchengebäudes spiegelte gleichzeitig auch die enge Verflechtung zwischen Schule und Kirche wider.

Die Schulsituation nach 1803

Der damalige Pfarrer Baalmann (1785-1833) und auch seine Nachfolger waren bis 1919 Ortsschulinspektoren und als Vorgesetzte der Lehrer für die Schule verantwortlich. Zudem sorgten Mitglieder des gewählten Schulvorstandes unter dem Vorsitz des Pfarrers für die finanziellen Belange.

Schulknechte und Substituten, die ihre Lehrtätigkeit früher durch Zuschauen und Nachmachen bei einem „Schulmeister" erlernt hatten, gab es damals nicht mehr in Emsbüren.

Die Unterrichtsinhalte werden in der Verordnung vom 2. September 1801 für die Deutsch- und Trivial-Schulen des Hochstiftes Münster,1 zu dem Emsbüren gehörte, genannt. Die Lehrer sollten:

  • das Lesen deutlich und nach Interpunktion lehren,
  • das Buchstabieren beibringen und zu einer guten Handschrift anleiten,
  • in dem katholischen Katechismus gut unterrichten,
  • von der Rechenkunst die vier Species (Grundrechnungsarten) mit Ein-schluß der Regel de Tri (Dreisatzrechnung) lehren,
  • in der Abfassung eines deutschen Briefes, einer Rechnung ... und eines Aufsatzes unterweisen.
  • In allen Landschulen sollte das Stricken eingeführt werden.

Wenn man die Schulwirklichkeit dieser Zeit betrachtet, weiß man, daß diese hochgesteckten Ziele bei weitem nicht erreicht werden konnten. Im Sommer fand nur unregelmäßig Unterricht statt. Die sich rasch verändernden politischen Zugehörigkeiten nach dem Reichsdeputationshauptschluß 1803 sorgten für Unklarheiten. Die Schulräume kann man nur als primitiv bezeichnen. Schulbücher waren nur in geringer Zahl vorhanden.

Durch den Wiener Kongreß 1815 kam unsere Gegend zum Königreich Hannover. Für den schulischen Bereich gab es bald klarere Bestimmungen, die auch verwirklicht wurden. In den Schulbestimmungen für die Drostei Osnabrück2 (Regierungsbezirk im Königreich Hannover) von 1818 heißt es auszugsweise:

  1. Der Unterricht wird im Sommer und im Winter abgehalten.
  2. Bis zum 10. Lebensjahre ist ein Schulgeld von 20 gGr (gute Groschen) zu entrichten, für die älteren 1 rtlr (Reichstaler) und 8 gGr.
  3. Für die Armen und Unvermögenden zahlt die Gemeinde.
  4. Die Kinder sollen bis zum 14. Lebensjahre die Schule besuchen.
  5. Das Schulgeld und das Geld für die Heizung soll der Vogt einziehen und dem Lehrer übergeben.

Die Besoldung der Lehrer wurde durch diese Bestimmungen in Emsbüren so weit verbessert, daß sie sich im Sommer kein Zubrot mehr verdienen mußten, weil sie ja das ganze Jahr hindurch ein festes Einkommen hatten. So setzte sich allmählich der ganzjährige Unterricht durch.

Um diese Zeit entwickelte sich ein ganz neuer Lehrertyp. Der in Münster lehrende Pädagoge Overberg und andere Reformer bildeten die Lehrer für ihren Beruf aus und erzeugten in ihnen Begeisterung für ihre Aufgabe. Die Lehrer arbeiteten mit Ausdauer an der eigenen Fortbildung. Sie mußten sich allerdings alle drei Jahre einer Wiederholungsprüfung unterziehen. Unter den Lehrern bildete sich ein Gefühl der Zusammengehörigkeit, ein gewisses Standesbewußtsein.

Schulen am Kirchplatz

Knaben- und Mädchenschule - bis 1894

   Zwischen den Häusern Holterhus und van Lengerich standen die Mädchenschule, die Knabenschule und das Armenhaus. An Stelle der Mädchenschule befindet sich jetzt das Haus „Geist". Auf den Plätzen der ehemaligen Knabenschule und des Armenhauses steht jetzt das „Michaelsheim" .

Neben der Mädchenschule stand als selbständiges Gebäude die Knabenschule. In der Schulchronik, die 1878 von Hauptlehrer Tiesmeyer begonnen wurde, heißt es darüber: „Das Schulgebäude ist im Jahre 1831 an Stelle des früheren alten Lokals aufgeführt. Es soll damals als ein Musterbau gegolten haben. Die Schule wurde noch aus Kirchspielmitteln gebaut." 3

  Im Obergeschoß des Schulhauses befand sich eine kleine Wohnung. Dort wohnte der 35jährige Lehrer Theodor Hopmann, wie Erzpriester J. B. Homann aus Lingen in seinem Schulvisitationsbericht vom 8. September 1832 bemerkt.4

Er nennt den jungen Lehrer „ziemlich gut qualifiziert" und bemerkt, daß Hopmann die Normalschulen in Münster und Osnabrück „gehört" habe und ein Zeugnis über seine Ausbildung zum Lehrer besaß. Hopmann war am 1. September 1797 in Drievorden geboren und in seiner Jugend Knecht auf einem Bauernhof. Nach seiner Ausbildung trat er 1819 in den Schuldienst.


Kirchplatz 2017
Rechts "Haus Geist", links neues Michaelsheim 
" Haus Geist", bis 1894 Mädchenschule, dann Armenhaus, jetzt Seniorenbegegnungsstätte "Haus Ludgeri", links Michaelsheim.

12 Jahre war er Gehilfe des Küsters und Lehrers Nadorf hier in Emsbüren. Als Nadorf 1831 den Schuldienst aufgab, wurde Hopmann sein Nachfolger. Hopmann wurde feierlich durch den Weihbischof und Generalvikar Lüpke als „wirklicher" Lehrer an der Hauptschule in Emsbüren angestellt.

   Bis zum Jahre 1831 lagen Küster- und Lehreramt in einer Hand. In der damaligen Zeit gingen die Kinder im Sommer vier Stunden am Vormittag und im Winter noch zusätzlich zwei Stunden am Nachmittag zur Schule. Am Mittwoch- und Samstagnachmittag war keine Schule. Am 8. 9. 1832 besuchten 85 Knaben aus dem „Dorfe Emsbüren mit der Hahnwiese" und den Bauerschaften Leschede und Berge die Schule, 3 Kinder waren krank. Weiter heißt es, daß im Sommer etwa 70 Jungen die Schule besuchten; im Winter kamen alle.

Auf dieser Schulvisitation prüfte Homann die Jungen im Lesen, Schreiben, Rechnen und in der Rechtschreibung. „Nachdem die fleißigsten und geschicktesten Kinder mit Büchern und Bildern belohnt waren, empfahl ich mich", schreibt der Erzpriester in seinem Bericht.

An Schulbüchern wurde von den Jungen benutzt:

In der I. Klasse: Overbergs Großer Catechismus und Biblische Geschichte (In der I. Klasse waren die älteren Kinder).
In der II. Klasse: Kellermanns Biblische Geschichte
In der III. Klasse: Marx, Geschichte Jesu 
Overbergs Kleiner Catechismus und Overbergs ABC-Buch. 

Das Einkommen des Lehrers Theodor Hopmann betrug etwa 160 rth1.5 Es setzte sich wie folgt zusammen:

Schulgeld zu ca. 90 rthl
Zulage aus der Klosterkasse ca. 30 rthl
2 Malter (400 kg) Roggen von der Mühle (Kirchenkasse), wahrscheinlich für das Chorsingen
1 Malter für den Unterricht armer Kinder aus der Armenkasse
Freie Wohnung

Am folgenden Tage inspizierte Erzpriester Homann auch die Mädchenschule. Die drei Pfarrgeistlichen begleiteten ihn. Die damalige Lehrerin Margarethe Schwarte, die in einer kleinen Wohnung im Schulhause wohnte, klagte sehr über den saumseligen Schulbesuch im Sommer: 50 Mädchen waren nur anwesend.

Die Lehrerin hatte ein Einkommen von etwa 132 rthl. Besorgniserregend war der Zustand des Gebäudes der Mädchenschule. Im Bericht heißt es: „Das Schulhaus ... ist allererst vor 12 Jahren erbaut, aber ist so baufällig als wäre es vor mehr als 100 Jahren erbaut." 6

Der Schulinspektor Homann forderte einen Neubau dieser Schule, weil so gravierende Mängel auch bei einer grundlegenden Reparatur nicht behoben werden könnten. Daraufhin beschloß man, eine neue Mädchenschule zu bauen. Der Neubau sollte wieder aus Kirchspielsmitteln bezahlt werden, weil ja die Emsbürener Schulen als Hauptschulen im Sommer zeitweise auch von Kindern verschiedener Bauerschaftsschulen besucht wurden, in denen im Sommer kein Unterricht erteilt wurde. 7

Die Bezahlung erwies sich als schwierig. Die Bauerschaften wollten ihren Teil nicht beisteuern, weil gerade die Knabenschule bezahlt worden war und ja alle ihre eigenen „Nebenschulen" zu unterhalten hatten. Listrup-Bexten, Hel-schen, Moorlage, Hesselte und Gleesen betraten gemeinsam den Rechtsweg gegen Emsbüren. Ahlde, das 1832 auch eine neue Schule errichtet hatte, sowie Mehringen, Bernte und Elbergen schlossen sich an. „Listrup und Genossen" unterlagen letztendlich in einem über zehn Jahre andauernden Rechtsstreit und wurden zu weiteren Zahlungen für die Hauptschule verpflichtet. Umfangreiches Aktenmaterial dazu liegt im Pfarrarchiv Emsbüren.

Eine für die damalige Zeit wesentliche innerschulische Änderung wurde nach dem Tode der langjährigen Lehrerin Margarethe Schwarte 1858 eingeführt. Die Einteilung in Knaben- und Mädchenschule wurde aufgehoben. Lehrer Hermann Barkling übernahm die Oberklasse, Lehrer Theodor Hopmann die ersten Jahrgänge. Als Hopmann 1872 in den Ruhestand trat, wurde Bark-ling sein Nachfolger und zum Ersten Lehrer befördert. 1882 mußte Barkling aus gesundheitlichen Gründen den Schuldienst aufgeben. Joseph Tiesmeyer wurde sein Nachfolger. Hauptlehrer Joseph Tiesmeyer wirkte hier von 1878-1918 als angesehener Lehrer und Erzieher, als Musiker und Heimatforscher.

„Der Name Tiesmeyer hat nicht nur in Emsbüren, sondern weit über das Emsland hinaus einen besonderen Klang. Sein Herz war erfüllt von hohem Idealismus und großer Begeisterung für die Musik"8 heißt es in der Festschrift zum 100jährigen Bestehen des Kirchenchores, den er schon 1878 ins Leben rief. Mehrere Bücher hat er geschrieben. Für den schulischen Bereich gab er ein Sprachbuch, die Broschüre „Das deutsche Volkslied" sowie ein zweibändiges Liederbuch für Schule und Haus heraus. Dieses in weiten Teilen des deutschen Sprachraumes bekannte Werk erschien 1927 in 7. Auflage! Das Buch „Der Kreis Lingen", das 1905 vom Lehrerverein der Diözese Osnabrück herausgegeben wurde, an dem Tiesmeyer maßgeblich arbeitete, und das Buch „Bilder aus der Heimat" , das er 1912 herausgab, sind noch heute Fundgruben für Heimatfreunde.

Die Gemeinde Emsbüren ehrte ihn durch die Benennung einer Schule und einer Straße mit seinem Namen. 

Die Lehrerwohnungen auf den beiden Schulgebäuden waren sehr eng. Die Schulgemeinde kaufte 1884 von der Fortbildungsschule Emsbüren das repräsentative Vogtshaus aus dem Jahre 1824 an der Papenstraße als Schulleiterwohnung. Die Interessenten der Fortbildungsschule hatten dieses Gebäude 1880 von dem Goldarbeiter Heinrich Conen erworben. Die äußere Ansicht ist bis auf den heutigen Tag fast unverändert. In den späten sechziger Jahren, als alle Dienstwohnungen verkauft wurden, erwarb Konrektor Heinrich Henke dieses Haus für seine Familie.





Die Lehrerwohnungen auf den beiden Schulgebäuden waren sehr eng. Die Schulgemeinde kaufte 1884 von der Fortbildungsschule Emsbüren das repräsentative Vogtshaus aus dem Jahre 1824 an der Papenstraße als Schulleiterwohnung

Die „Allgemeinen Bestimmungen" vom 15. Oktober 1872 brachten für den Schulalltag grundlegende Änderungen. Bisher wurden nur Religion, Lesen, Schreiben, Rechnen und Singen gelehrt. Jetzt mußte nach diesem Erlaß auch in Erdkunde, Geschichte, Naturgeschichte, Naturlehre, Zeichnen und Turnen unterrichtet werden. Für die Mädchen gab es zusätzlich Handarbeit.

In der Nähe der Schule wurden Geräte für den Turnunterricht aufgestellt. —Die erhöhten Anforderungen verlangten mehr Unterrichtsstunden. Darum sollten im Sommer- und Winterhalbjahr gleiche Unterrichtszeiten eingeführt werden. Die verkürzte Sommerschule sollte aufhören. Das führte aber hier zu großen Schwierigkeiten in vielen Familien, weil Kinder im Sommer täglich die Kühe hüten mußten und auch zur Mithilfe in kinderreichen Haushalten benötigt wurden. In diese Zeit fallen auch die Überlegungen zur Einführung der Vormittagsschule mit einem Unterrichtsbeginn um acht Uhr.

2. Vierklassige Volksschule 1894 bis 1958

Der Zustand der Schulgebäude, höhere Anforderungen an die Schule und nicht zuletzt die steigende Schülerzahl machten eine Verbesserung der Schuleinrichtungen erforderlich. Eine neue Schule sollte am Kirchplatz gebaut werden. Für das größere Schulhaus mußte vor Baubeginn Platz geschaffen und die Mädchenschule gegen das Armenhaus zwischen der Schulgemeinde Emsbüren-Berge-Leschede und der Kirchengemeinde getauscht werden. Im Vertrag vom 13. Dezember 1893 9 verpflichtete sich die Schulgemeinde, die ehemalige Mädchenschule zu einem Armenhause mit mehreren Zimmern umzubauen. Im Frühjahr 1894 wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Der Neubau war auf drei Klassenzimmer (mit 242 „Sitzplätzen") nebst Wohnung für den 2. Lehrer berechnet. Schon am 22. Oktober im gleichen Jahr konnte die feierliche Einweihung sein.

„Gott segne dieses Werk und lasse es sein ein hohes Merkzeichen
des guten Geistes der Gemeinde
bis zu den fernsten Zeiten! "10

Neben einem Gedicht zur Einweihung schrieb der damalige Schulleiter Joseph Tiesmeyer diesen Segenswunsch in die Chronik. An der neuen Schule mußten noch einige Schwierigkeiten überwunden werden. Man brauchte einen Brunnen mit Trinkwasser für die obligatorische Pumpe auf dem Schulhof, der ja Teil des ehemaligen Friedhofs war. Längere Zeit hat es gedauert, bis die königliche Regierung in Osnabrück dafür die Genehmigung gab. Manche El-7ern gaben ihren Kindern aber trotzdem die Mahnung mit auf den Weg: „Liekenwater (Leichenwasser) mußt du bi de Schoole nich drinken!"

   Es gab zu wenig Fläche für den vorgeschriebenen Turnplatz an der Schule. Die Behörde erteilte die Sondergenehmigung, den Turnplatz in einiger Entfernung von der Schule am Galgenberg einzurichten. Heute steht dort eine Bankgruppe. Dieses Gebiet wurde bald im Volksmund „Turnstaken" genannt. Diese Bezeichnung soll von Tiesmeyer stammen. Auch der Bildstock am Lindenbaum und die Scharnhorsteiche an der Einmündung der Ludgeristraße in die Ahlder Straße gehen auf den geachteten Schulmann zurück.
    Der Friedhof an der Kirche wurde 1898 eingeebnet. Dadurch konnte der Schulplatz erweitert werden. Als Schmuck erhielt er 1900 vierzehn junge Lindenbäume. Zwei davon stehen noch vor dem Hauptportal der Kirche.

    1895 wurde die 3. Schulstelle beantragt und mit einer Lehrerin besetzt. Da man im Dorfe keine geeignete Wohnung fand, wurde 1897 auf dem östlichen Teil der Schule während der Herbstferien eine Lehrerinnenwohnung gebaut. Von 1897 an wurden die unteren Jahrgänge als gemischte Klassen von Lehrer Büscher geführt. In der Oberstufe gab es eine Mädchen- und eine Jungenklasse.

Die Schule am Kirchplatz mit ihren drei Klassen war zu klein geworden. Sie wurde 1921 an der westlichen Seite im Obergeschoß um eine Klasse vergrößert.

In Leschede wollte man eine eigene Schule gründen. 1908 kam es zu Verhandlungen. In der entscheidenden Versammlung am 26. 8. 1908 kam es zum Beschluß, die Gemeinde Leschede „sonder Last und Lust am Schulbesitz" aus dem bisherigen Schulzweckverband Emsbüren-Berge-Leschede zu entlassen. Bald wurde der Neubau an der Lingener Straße zwischen der Molkerei, heute Zegeno, und der Bahn in Angriff genommen. Am 18. Oktober 1909 war die Einweihung der neuen Schule. 84 Kinder wurden dahin entlassen, 201 blieben in Emsbüren.

Am 1.8.1914 begann der Erste Weltkrieg. Im letzten Kriegsjahre, am 27.4. 1918, starb der von der Bevölkerung sehr verehrte Hauptlehrer Joseph Tiesmeyer. Sein Nachfolger wurde am 1.11.1919 Hauptlehrer Julius Nowald.

Nach dem 1. Weltkrieg stieg die Kinderzahl auf 250 an. Die Kinder wurden in vier gemischte Klassen aufgeteilt. Dafür standen nur drei Räume zur Verfügung.

Die Schule am Kirchplatz mit ihren drei Klassen war zu klein geworden. Sie wurde 1921 an der westlichen Seite im Obergeschoß um eine Klasse vergrößert. In dem Gebäude befanden sich danach unten drei Klassenräume, oben ein weiterer Klassenraum und zwei Wohnungen. Im Jahre 1928 war die Schülerzahl auf 176 gesunken. Sie stieg 1931 wieder auf 229 an.

3. Nazizeit - 2. Weltkrieg - Notjahre

   Die Hitlerzeit begann 1933 einerseits mit Zuversicht auf Besserung der katastrophalen wirtschaftlichen Verhältnisse und andererseits mit großer Sorge um die Zukunft. So können wir aus der Schulchronik entnehmen, daß man auch nach 1933 am althergebrachten religiösen Leben festhielt und seinen überlieferten Grundsätzen treu bleiben wollte. Andererseits aber wurden viele Neuerungen, die die Nationalsozialisten einführten, kritiklos mitgetragen. Diese Richtungen finden wir auch in den Lehrerpersönlichkeiten: Der eine wurde Parteiführer, der andere ließ sich nicht von den Verlockungen der „neuen Zeit" entwurzeln, Über den späteren Rektor Tiemann heißt es: „Ein deutscher Lehrer sein und zugleich Diener der römischen Kirche, das war ihrer Meinung nach unvereinbar. Aber nicht für den gläubigen Christen Bernhard Tiemann. Trotz aller politischen Beeinflussung ging er gradlinig und unbeirrt seinen Weg."11 Erst nach 1945 konnte er Schulleiter werden.

   1938 sank die Kinderzahl auf 165. Die Schule wurde wieder dreiklassig. 1939 wurde für den 2. Lehrer eine Lehrerdienstwohnung im „Kuhm" gebaut (heute Haus Lammers). Es gab ja den Residenzerlaß, der die Lehrer verpflichtete, am Schulort zu wohnen. Darum mußten die Schulträger für sie Wohnungen bereitstellen.

   Am 1.9.1939 begann der Zweite Weltkrieg. Schon am 31.8.1939 wurden Hauptlehrer Hagemann und Lehrer Tiemann zum Kriegsdienst einberufen. Ab 21.10.1944 wurden die Schulräume von „Schanzarbeitern" belegt, die in der Nähe von Emsbüren Schützengräben, Geschützstellungen und andere militärische Anlagen bauen mußten. Vom 10.1.1945 an war Unterricht im Pfarrsaal. Viele Stunden fielen wegen Fliegeralarms aus. Am 7.4.1945 zogen britische Truppen hier kampflos ein. Unterricht durfte nicht mehr gehalten werden. Die Kampftruppen zogen weiter. Am 30. Juni 1945 rückten polnische Soldaten im Dienst der Engländer in Emsbüren ein. Von ihnen wurden folgende Häuser besetzt: die Schule am Kirchplatz, Theodor Egbring, August Hoyer, die Lehrerwohnung im Kuhm, ein Teil der Hauptlehrerwohnung an der Papenstraße, die Landwirtschaftsschule u. a. m. Die Militärregierung erlaubte nach langem Warten die Wiedereröffnung der Grundschule am 20.8.1945 im Pfarrsaal, die Oberstufe durfte ab dem 8. 10. 1945 wieder in der Gastwirtschaft Hölscher unterrichtet werden. Alle Schulbücher aus der vergangenen Nazizeit waren verboten. Nur die Religionsbücher konnten weiterbenutzt werden. Ein Winter ohne Kohlen begann.

Lehrer Tiemann wurde am 1.12.1945 zum Hauptlehrer ernannt. Er war hier bereits seit 1919 als Lehrer, Organist und Chorleiter tätig. Emsbüren und Berge mußten in dieser Zeit 500 Flüchtlinge aus dem Osten Deutschlands aufnehmen. Viele Flüchtlingskinder, die hier wieder zur Schule gingen, hatten seit 20 Monaten keinen Unterricht mehr gehabt. Auch die Lehrerin Elisabeth Halba aus Danzig/Oliva wurde nach Emsbüren verschlagen und erteilte vom 25. 8. 1946 hier Unterricht. Als Lehrerin und Konrektorin war sie von Kindern und Eltern sehr geachtet. Seit 1971 lebt sie im Ruhestand in Emsbüren. Bald wurde wahlfreier Englischunterricht eingeführt. Im September 1946 waren von 255 Schulkindern 72 „ortsfremde". Die Not der Nachkriegszeit verschärfte sich. So mußte im Frühjahr 1947 der Unterricht wegen Kohlenmangels verkürzt werden. Schulhefte konnte man nicht kaufen. Nur für ab-gegebenes Altpapier, das sehr knapp war, gab es Hefte. In Ermangelung von Papier schrieb man sogar auf Zeitungsrändern! Viele Kinder litten an Unterernährung. Die Amerikaner spendeten Geld und Lebensmittel. Für 193 Kinder, die vom Schularzt ausgesucht waren, gab es „Hoover-Schulspeisung" . Hoover war von 1929-1933 amerikanischer Präsident. Im und nach dem Zweiten Weltkrieg war er führend in caritativen Organisationen tätig. Die Speisen, von den Kindern gern gegessen, wurden von Müttern im Feuerwehrhaus zubereitet. Als das erste Lesebuch nach der Nazizeit erschien, wurden zunächst 28 Exemplare für 176 Kinder „zugeteilt".

Endlich, nach Verwirrung, Krieg und Elend ein kleiner Lichtblick: Am 29. Juli 1947 zogen die polnischen Besatzungstruppen ab. Die Schulräume befanden sich in einem trostlosen Zustand, sie mußten renoviert werden. Für Geld gab es keine Ware. Eine Specksammlung wurde durchgeführt. Nach kurzer Zeit waren die Arbeiten in den Schulräumen abgeschlossen. Auf den Rechnungen erschienen die Beträge in RM (Reichsmark); abgerechnet wurde in „Speckwährung": 1 Pfund Speck = 220 RM! Die Not war groß. Eine Eintragung von Hauptlehrer B. Tiemann in der Schulchronik beleuchtet die schlimme Lage 1947/48: „Die alten Anzüge werden wieder hervorgeholt (wenn noch einer geblieben ist), instandgesetzt und getragen. Schreiber dieser Zeilen konnte im Jahre 1941 den letzten Anzug kaufen. Kriegsware, längst verschlissen." Der Geschichtsunterricht, der verboten war, durfte ab dem 1.11.1947 wieder erteilt werden. Am 21.6.1948 gab es neues Geld, die DM. Langsam besserte sich die Lage, nur das Geld war sehr, sehr knapp. Die Zuversicht wuchs. Die Gottesdienste wurden gern besucht. Man dankte dem Herrgott für das Wenige, was man schon wieder hatte

Die Rektoratsschule: 1910-1937

Interessierte Kreise hatten sich schon lange um höhere Schulbildung für die Kinder bemüht. So bestand in Emsbüren um 1850 eine Fortbildungsschule. Eine höhere Bürgerschule wird hier 1879 im Publicandumsbuch der Pfarrgemeinde erwähnt. Darin heißt es unter dem 11. Sonntag nach Pfingsten: „Dienstag ... 9.00 Uhr Examen der Schüler von der höheren Bürgerschule, wozu Eltern der Kinder und Freunde der Schule eingeladen sind."12 Im folgenden Jahr wird diese Schule noch einmal erwähnt.

1910 führten die Bemühungen des „Komitees zur Errichtung einer höheren Schule" zur Gründung eines Schulvereins. Mit 41 Unterschriften wurde er am 11. April in das Vereinsregister eingetragen.13 Im nächsten Jahr gehörten 64 Mitglieder zum Verein, die 10 Mark Eintrittsgeld und einen Jahresbeitrag von 20 Mark zahlten. Neben dem Vorsitzenden Pfarrer Koiter und dem Kaplan Hol-tel als ständige Mitglieder wurden Kaufmann Andreas Möller aus Emsbüren, Hofbesitzer Gisbert Mönch-Tegeder aus Mehringen sowie Gastwirt Wilhelm Breloh aus Leschede in den Vorstand gewählt. - Die Königliche Regierung erteilte dem Vikar Wilhelm Schade die Erlaubnis zur Errichtung und Leitung der Rektoratsschule mit der Verpflichtung, bis zum 15. Mai 1912 die Mittelschul-lehrerprüfung abzulegen. Hauptlehrer Tiesmeyer sollte vier Unterrichtsstunden wöchentlich übernehmen. „Das Ziel der Schule soll dahingehen, für die Obertertia (später Untersekunda - Kl. 10) des Gymnasiums vorzubereiten.

Bücher und Lehrplan sollen sich dem Gymnasium Rheine anschließen, weil die hiesigen Schüler ... wegen der günstigen Bahnverbindung auf Rheine angewiesen sind..." heißt es in einem Brief .14 Als Schule diente zunächst das Haus „Geist" an der Kirche. In den folgenden Jahren wurde der Saal Kamphues angemietet. — Zur Deckung der Unkosten mußten die Eltern für die Schüler, zunächst waren es nur Jungen, ein monatliches Schulgeld zahlen.

Nach dem 1. Weltkrieg (1914-1918) beschloß man, ein eigenes Schulgebäude zu errichten. Die katholische Kirchengemeinde stellte ein Grundstück an der Schulstraße mit der Auflage zur Verfügung, daß es nach einer etwaigen Auflösung der Schule wieder an die Kirchengemeinde falle. 1922 und 1924 wurden Sammlungen für den Schulbau im ganzen Kirchspiel durchgeführt. 1924 wurden darüber hinaus noch Anteilscheine zur Finanzierung dieses Planes verkauft.

Selbst die Schüler unterstützten den Bau ihrer Schule. Ehemalige berichten, daß sie bei Ausschachtungsarbeiten kräftig mitgeschippt haben.

Das Schulgebäude mit drei Klassen, der Schulleiterwohnung und einem Nebengebäude wurde in zwei Abschnitten gebaut. Es ist das Gegenstück zur Landwirtschaftlichen Schule, die 1923 errichtet wurde. Im rechten Winkel zum Hauptgebäude steht zur Schützenstraße hin das eingeschossige Nebengebäude. Darin befand sich u. a. der Turnsaal mit Reck, Barren und Leitern. Das Grundstück davor war der Turnplatz der Schule mit im Boden verankerten Turngeräten.

Stolz trugen die Schülerinnen und Schüler ihre Schülermützen, an deren Farben und Bändern man die Zugehörigkeit zu einer Klasse erkennen konnte.

In einem Zeugnis der obersten Klasse (Obertertia, Kl. 9) vom 22.3.1926 sind folgende Unterrichtsfächer aufgeführt: Religion, Deutsch, Latein, Französisch, (Englisch), Griechisch, Mathematik, Geschichte, Erdkunde, Naturgeschichte, Schreiben, Zeichnen, Physik, Turnen und Gesang. Über diesem Fächerkanon stehen die „Kopfzensuren" für Betragen, Fleiß und Aufmerksamkeit. Unter dem Zeugnis befindet sich der Vermerk, daß die Schülerin die Aufnahmeprüfung für die Untersecunda (Kl. U II, heute Klasse 10) am Städtischen Lyceum in Rheine bestanden hat.

Den Nationalsozialisten waren Privatschulen, besonders aber konfessionell gebundene, ein Dorn im Auge. Wegen ihres religiösen Fundamentes konnte man sie nicht gleichschalten. Sie fanden eine Begründung für die von ihnen gewünschte Auflösung. Am 28.3.1937 betrat ein Vertreter der nationalsozialistischen Regierung die Schule und erklärte sie für geschlossen. Diese unerwartete Verfügung traf die Schule und weite Teile der Bevölkerung wie ein Blitz.

Da es kaum denkbar war, Widerstand zu leisten, wurde die Auflösung beschlossen. Bauer Gisbert Mönch-Tegeder und Kaufmann Wilhelm Breloh wurden zu Liquidatoren gewählt. Das Gebäude wurde 1938 an die Kreissparkasse Lingen verkauft. Nach Bezahlung der Verbindlichkeiten fiel ein Rest von 5000 RM satzungsgemäß an die katholische Kirchengemeinde.




Bei der Feier des 10jährigen Bestehens schreibt die Lingener Tagespost:„Die Musikschule (des Emslandes) richtete vor 10 Jahren in Emsbüren eine Abteilung ein, die inzwischen 260 Schüler umfaßt.
Erster Bauabschnitt 1953 — Zunächst drei Klassen
Zweiter Bauabschnitt 1958 — Die Volksschule ist fertig



Hauptschule 2017

Die Musikschule, die in der ehemaligen Rektoratsschule ihr Domizil bezogen hat, besteht seit 1968 in Emsbüren. Bei der Feier des 10jährigen Bestehens schreibt die Lingener Tagespost:

„Die Musikschule (des Emslandes) richtete vor 10 Jahren in Emsbüren eine Abteilung ein, die inzwischen 260 Schüler umfaßt. Emsbüren war die erste Gemeinde, die ganz massiv an mich herantrat, hier eine Musikschulabteilung einzurichten. Zu den Urhebern gehört vor allem Rektor Pieper. Speziellen Dank richtete Direktor Huuck an Lehrer Lammers ..." 15 Heute besuchen etwa 210 Schülerinnen und Schüler die Musikschule.

Volksschule an der Schützenstraße

1. Erster Bauabschnitt 1953 — Zunächst drei Klassen

Besuchten vor dem Kriege 1938 nur 165 Kinder die Schule, so waren es im Mai 1950 schon 332. In der Statistik werden 75 davon als „auswärtige" bezeichnet. Es waren Kinder von Flüchtlingen aus dem Osten unseres Vaterlandes oder Kinder Ausgebombter aus den Großstädten im Westen. - Nur vier Klassenräume standen für sechs Klassen zur Verfügung.

Anlässlich einer Schulbesichtigung im Juni 1950 rieten Regierungsrat Engel-hardt und Schulrat Dr. Dauber zu einem Neubau, weil an der Kirche kein Platz für eine Erweiterung zur Verfügung stand. Es mußte und sollte also gebaut werden! Die Suche nach einem geeigneten Grundstück zog sich über längere Zeit hin. Gegen Ende 1951 war die Platzfrage an der Schützenstraße gelöst: „Pieper gibt 700 qm und erhält dafür den Schulgarten an der Mehringer Straße, Hagemeyer verkauft 1600 qm für 6000,— DM, Bültel 3000 qm und Tebbel 400 qm je für 2,90 DM/qm. Tebbel ist bereit... weiteres angrenzendes Baugelände abzugeben...", so die Schulchronik.16

Man faßte den Beschluß, eine vollausgebaute Volksschule für acht aufsteigende Klassen zu errichten. Es sollte in zwei Abschnitten gebaut werden, zunächst die dringend erforderlichen drei Klassen, die im Laufe des Jahres fertiggestellt wurden. Nach der kirchlichen Weihe konnte der Unterricht schon am 1.12.1953 in den drei Klassen beginnen. Vier Klassen blieben noch am Kirchplatz.  

In diesen Jahren begann der Schulalltag mit der täglichen Schulmesse kurz nach sieben Uhr. Auch Kinder, die einen weiten Schulweg hatten, nahmen selbstverständlich daran teil, Viele kamen zu Fuß zur Schule, denn in den fünfziger Jahren hatten nur wenige Kinder ein eigenes Fahrrad,

In den folgenden Jahren wurde nicht weitergebaut. Darum konnte Rektor Bernhard Tiemann den Fortgang der Arbeiten nicht mehr erleben. Er starb plötzlich am 21.9.1957. Sein Nachfolger wurde Rektor Hermann Pieper, der seit dem 1.4.1957 Konrektor in Emsbüren war. Am 1.11.1963 wurde Konrek-torin Elisabeth Halba seine Vertreterin.

2. Zweiter Bauabschnitt 1958 — Die Volksschule ist fertig!

Die Arbeiten für den 2. Bauabschnitt wurden 1957 aufgenommen. - Schon am 26.11.1958 begann nach der kirchlichen Weihe und einem Tag der offenen Tür der Unterricht für alle Klassen im neuen Schulhaus. Im Neubau gab es acht Klassenräume, drei Gruppenräume, einen Werkraum, eine Küche mit Unterrichtsraum, Lehrer- und Rektorzimmer, die Eingangshalle - auch als Feierraum gedacht - und eine kleine, überdachte Pausenhalle. In den Kellerräumen waren die Heizung, Toilettenanlagen und ein Fahrradstand untergebracht. Im Frühjahr 1959 wurde die Umgebung gärtnerisch gestaltet. So konnte das Fest der Schuleinweihung und Namensgebung der neuen Schule in blühender Umgebung am 8.9. 1959 ein wahres Freudenfest sein. Die ganze Gemeinde war stolz auf ihre schmucke Schule in einer für die damalige Zeit vorbildlich ge-stalteten Grünanlage! Jungen und Mädchen der letzten Klassen haben jahre¬lang die Schulanlage gepflegt; es war ja „ihre" Schule!

Die große Freude der Kinder kann man nachvollziehen, wenn man sich den Unterschied zwischen dem hellen, freundlichen Schulhaus mit gepflegten Fußböden und moderner Einrichtung und der alten Schule am Kirchplatz vor¬stellt. Sie hatte zum Teil noch viersitzige Bänke, knarrende Dielenbretter, die täglich mit einem groben Besen gefegt und in den Ferien mit penetrant „duftendem" Öl getränkt wurden, um dadurch den Staub zu binden. In den vier Klassen standen riesige Anthrazitöfen, die neben Wärme auch Rauch „spende¬ten" . Der alte Pausenhof an der Kirche war gleichzeitig Parkplatz: während ei¬nes Gottesdienstes „spielten" etwa 160 Kinder zwischen 50 parkenden Autos! Der neue Pausenhof war dagegen geräumig und hatte ein großes Klettergerüst.

Auf Wunsch des Schulzweckverbandes und der Eltern erhielt die neue Schule den Namen „Joseph-Tiesmeyer-Schule" (Volksschule). Hauptlehrer Tiesmeyer wirkte hier von 1878 bis 1918.

Schulzentrum Emsbüren

1. Einführung des 9. Schuljahres - Mittelpunktschule ab 1962

    Die Erkenntnis der höheren Anforderung an den Menschen durch die tech¬nisierte Wirtschaft, auch die durch eine günstige Entwicklung in Landwirt¬schaft und Industrie gestiegenen Ansprüche an den Lebensstandard ließen die Einsicht in die Notwendigkeit des Ausbaus des Bildungswesens wachsen. Besonders die Landbevölkerung drängte auf Verbesserung der ländlichen Bildungsmöglichkeiten, da man sich der Stadt gegenüber benachteiligt fühlte.

   1962 wurde das 9. Schuljahr eingeführt. Zunächst waren für das Kirchspiel drei Klassen geplant. Aus Raum- und Lehrermangel wurden nur zwei Klassen eingerichtet: Die Jungen des alten Kirchspiels, also auch aus Engden und Drievorden, wurden hier beschult, die Mädchen in Leschede. Vom 1.8.1965 an wurde eine andere Regelung getroffen: Die Jugendlichen aus Bernte, Elbergen und Listrup gingen in Leschede zur Schule, die aus Ahlde, Mehringen, Drie-vorden und Engden in Emsbüren. Auch die Kinder der anderen Jahrgänge der weniggegliederten Schulen, die einklassigen Schulen nannte man „Zwergschulen", sollten einen „besseren" Unterricht haben. Es wurden Mittelpunktschulen in Emsbüren und vorübergehend auch in Leschede gebildet. In dieser neuen Schulform wurden Jahrgangsklassen eingerichtet, in die die Kinder aus den ein- und zweiklassigen Bauerschaftsschulen gingen.

Die     Zentralisierung im Schulwesen von 1962 bis 1969 führte in vielen Schulen, so auch in der Mittelpunktschule Emsbüren, zu heute kaum noch vorstellbaren Schwierigkeiten, die von dem damaligen Lehrerkollegium zu meistern waren. Der Schulzweckverband Emsbüren-Berge unter seinem unermüdlichen Vorsitzenden Bürgermeister Franz Silies und die Verwaltung unter Gemeindedirektor Hermann Sielker auf der einen Seite und die Schulleitung unter Rektor Hermann Pieper auf der anderen Seite wurden immer wieder vor große Aufgaben gestellt.

Im organisatorischen Bereich sorgte die Umstellung des Schuljahresbeginns von Ostern auf den Sommer mehrere Jahre für Unruhe: Entlassungen im Frühjahr, Einschulung nach den Sommerferien.

Zum Lehrermangel bemerkte der Lingener Volksbote vorn 2.9.1967: „Fühlt sich der Kultusminister noch sicher? Emsbürener Elternrat sucht Landtagsabgeordneten Dr. Remmers auf. Nach der Zentralisierung hat die Mittelpunktschule Emsbüren von der Gemeinde Ahlde das 6. bis 9. Schuljahr, von den Gemeinden Drievorden, Engden und Mehringen die Schuljahre 7 bis 9 übernehmen müssen. Von den erforderlichen 450 Lehrerstunden kön¬nen 169 (= 37,9 %) nicht gegeben werden. "17

Für die Verwaltung gab es noch keine Hilfe, und ein Hausmeister war noch nicht eingestellt.

Eine Eintragung in der Schulchronik vorn 8.4.1968 zeigt, daß neben dem Lehrermangel auch akuter Raummangel bestand: „Außer den acht Normalklassen im Schulhaus werden folgende Räume für Unterrichtszwecke genutzt: ein Lehrmittelzimmer, ein Werkraum, der mit dem Sportgeräteraum verbundene Eßraum der Küche, eine Klasse in der ehemaligen Landwirtschaftsschule, der Seelsorgeraum am Kirchplatz..." Die Eintragung vorn 25.2.1968 charakterisiert die Unruhe bei der Umgestaltung des Schulwesens: „Heftige Diskussionen um den Ausbau der Volksschuloberstufe zur Hauptschule im Gebiet der Samtgemeinde. Die Gemeinde Leschede drängt auf einen Ausbau ihrer Schule... Dagegen stand der Plan des Ausbaus der Mittelpunktschule Emsbüren zu einer drei- bis vierzügigen Hauptschule mit Förderstufe innerhalb eines ländlichen Schulzentrums..." Der Gedanke des Schulzentrums ins Kirchdorf Emsbüren setzte sich durch.

2. Grund- und Hauptschule mit Förderstufe - ab 1969

Die Grundschule mit Jahrgangsklassen in ihrer derzeitigen Form schien nicht veränderungsbedürftig. Die oberen Klassen standen im Blickfeld. Die Oberstufe der alten Volksschule sollte zur leistungsfähigeren und jugendgemäßen Hauptschule (7. - 9. Jahrgang) und Förderstufe (5. und 6. Jahrgang) umgestaltet werden. Dafür fehlten neben Klassen- und Kursräumen für Fach-leistungs- und Wahlpflichtkurse auch Sportstätten, Pausenhöfe und ein Busbahnhof - vor allem aber Fachunterrichtsräume für Physik/Chemie, Biologie, Werken, Musik und Hauswirtschaft.

Es mußte also wieder gebaut werden. In einem dritten Bauabschnitt sollten die räumlichen Voraussetzungen für die neuen Schulzweige geschaffen werden! Am 1.9.1968 vergab der Schulzweckverband die ersten Aufträge. Schon am 11.8.1969 konnte die erste Konferenz in der fast fertiggestellten Schule die Arbeit beginnen. Eine wesentliche Unterstützung der Schulleitung und des Lehrerkollegiums bedeutete die Einstellung eines Schulassistenten, Zum Schuljahresbeginn 1969/70 wurde nun endlich auch ein hauptamtlicher Hausmeister eingestellt.

 

 

Zehn Lehrpersonen und fast 300 Kinder kamen zum 12.8.1969 neu in die Emsbürener Schule. Insgesamt 671 Kinder und Jugendliche besuchten nun die Grund- und Hauptschule mit Förderstufe. 230 wurden mit Bussen zur Schule gebracht, etwa 350 kamen mit dem Fahrrad. Am 28. und 29.11.1970 wurde die neue Schule an einem Tag der offenen Tür für jedermann geöffnet und das ganze Schulleben ausschnittweise den Eltern und der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt.

„So ist täglich bei der Ankunft und Abfahrt Hochbetrieb am Schulplatz. Die schmale Straße... ist blockiert, wenn die Schüler kommen ..." 18 schreibt die Lingener Tagespost vom 28.11.1970. Die Probleme in der Umgebung wurden in den nächsten Jahren durch den Bau eines Busbahnhofes, von Parkplätzen, eines zweiten Pausenhofes und eines Fahrradstandes weitgehend gelöst.

Die Grundschule, die in ihrer Art nicht verändert zu werden brauchte, geriet über Jahre ins Hintertreffen. Die Kinder mußten zunächst mit den Räumen vorlieb nehmen, die noch frei waren.

Als die Realschulklassen im August 1968 in den Realschulneubau übergewechselt waren, konnte die Grundschule in die ehemalige Landwirtschaftsschule einziehen. Lehrermangel und Schulraumnot prägten auch das Bild dieses Schulzweiges der Grund- und Hauptschule mit Orientierungsstufe. - Es kam der Plan auf, alle Grundschüler des Kirchspiels in der Waldschule in Le-schede zusammenzuführen. Er wurde nicht verwirklicht. Dafür einigte man sich aber bald über die Abgrenzung der Einzugsgebiete, die auch heute noch gilt: Ahlde, Berge, Emsbüren (ab 1974 auch Drievorden und Engden) bilden den Einzugsbereich Emsbüren, wobei der Fleckenbach die Grenze im Gebiet Mehringen darstellt.

Der Schulzweckverband beschloß, im Schulzentrum eine zweizügige Grundschule als Teil der Joseph-Tiesmeyer-Schule zu bauen. Vom Bauern Taphorn/Caffier wurde das Grundstück am Dunkernpättken erworben. Nach knapp einjähriger Planungs- und Bauzeit waren Schulhaus und Pflasterung der Umgebung fertiggestellt. Damit hatten die Kinder der ersten vier Schuljahre auch „ihre" Schule, die sie nach den Sommerferien 1973 begeistert in Besitz nahmen.

3. Hauptschule mit Orientierungsstufe — ab 1974

Wie die Grundschule am Dunkernpättken, so wurde die bisherige Hauptschule mit Förderstufe zum 1. 8. 1974 eine selbständige Schule. 461 Schülerinnen und Schüler besuchten diese Einrichtung. Rektor Alexander Herbermann, bisher Konrektor an der Liudger-Realschule, wurde mit der Leitung beauftragt. Sein Vertreter wurde Konrektor Heinrich Henke, der 1989 in den Ruhestand trat. Heute ist Ernst Höffgen Konrektor. Stufenleiter der Orientierungsstufe wurde Siegfried Schulte im Walde. Später waren Gerhard Ricken, Hubert Meiners und Wilhelm Krümpel in dieser Funktion tätig Die Orientierungsstufe Emsbüren arbeitet mit der Liudger-Realschule und mit dem Gymnasium Georgianum sowie dem Gymnasium Johanneum, beide in Lingen, zum Wohle der Kinder eng zusammen.

Zu Beginn der siebziger Jahre wurde die Schulleitung durch die Einstellung einer Schulsekretärin von der umfangreichen Verwaltungsarbeit entlastet. Die Förderstufe wurde zur Orientierungsstufe weiterentwickelt. Für Fächer und Gruppen von Fächern richtete man an der Orientierungsstufe Fachkonferenzen mit einem Fachleiter ein. Diese damals neuen Konferenzen sorgten für einheitliche Durchführung des Unterrichts in den Parallelklassen und in den nach Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit eingerichteten Fachleistungskursen im sechsten Schuljahrgang in den Fächern Mathematik und Englisch. Arbeitsgemeinschaften und Projektunterricht wurden den Schülern zur Wahl angeboten. Diese Schulstufe will die Kinder in ihrer spezifischen Begabung besser fördern als in der alten Volksschule.

Da der Platz im Hauptgebäude nicht ausreicht, werden jetzt fünf Klassen dieser Schulstufe in zwei Klassenräumen und drei Behelfsklassen in der ehemaligen Landwirtschaftsschule unterrichtet. Die provisorischen Unterrichtsräume waren vor dem Umbau Wohn- und Verwaltungsräume.

Die Hauptschule wurde weiter ausgebaut. Sie soll sowohl berufsori-entiert als auch in einem gewissen Umfang studienorientiert arbeiten. Möglichst lange versucht sie, die Chancen für die unterschiedlichsten Bildungswege offenzuhalten. Durch eine Kombination von gemeinsamem Pflichtunterricht, durch Fachleistungskurse ab Klasse 9 in Englisch und Mathematik, durch den Unterricht in Wahlpflichtkursen und Arbeitsgemeinschaften sollen die Jugendlichen ihren Lernschwerpunkt finden. Am Abschluß der Klasse 9 erwerben die Schülerinnen und Schüler den Hauptschulabschluß oder den Qualifizierten Hauptschulabschluß. Damit ist der direkte Weg in die Lehre möglich aber auch die weitere Ausbildung an berufsbildenden Schulen, um dort den Realschulabschluß oder den Erweiterten Sekundarabschluß I zu erwerben.

Die ländlichen Gemeinden der Umgebung, so auch Emsbüren, beantragten für ihre Hauptschulen zum 1.8.1985 das freiwillige 10. Schuljahr. Es bietet Spätentwicklern sowie Jungen und Mädchen, die nach dem 6. Schuljahr noch nicht eindeutig erkennen lassen, ob die Realschule der richtige Weg ist, die Möglichkeit, den Realschulabschluß zu erwerben.

Als Voraussetzung für einen zeitgemäßen Unterricht wurden in den Schulgebäuden einige Umbaumaßnahmen durchgeführt. So wurden ein Biologieraum, ein Kursraum und ein größeres Photolabor eingerichtet. Die Eingangshalle der ehemaligen Volksschule ist in einen leistungsfähigen Verwaltungstrakt umgebaut.

Jedes Jahr am Fronleichnamstage wird der Schulhof der Hauptschule mit Orientierungsstufe zu einem zentralen Punkt des Gemeindelebens. Neben der breiten Sandsteintreppe zum oberen Pausenhof wird der Altar für den Hauptgottesdienst aufgebaut. Viele Schülerarbeiten dienen als Schmuck und als Hinweis auf den Festgedanken. - Der Schulchor und Instrumentalgruppen unter Leitung von Lehrer Heinrich Lammers hatten über Jahrzehnte einen festen Platz im Leben der Schule. Sie fanden bei vielen außerschulischen Veranstaltungen großen Anklang.

4. Joseph-Tiesmeyer-Schule (Grundschule) - ab 1973


2017

2017

Am 1.8.1974 wurde die neue Schule am Dunkernpättken - sie wurde 1973 bezogen - unter dem Namen „Joseph-Tiesmeyer-Schule" (Grundschule) von der Hauptschule mit Orientierungsstufe getrennt und somit selbständig. Rektor Hermann Pieper, der bisher in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde seit 1957 fast alle Ausbaumaßnahmen der Schulen im Schulzentrum maßgeblich mitgestaltet hatte, wurde auf eigenen Wunsch der erste Leiter. Konrektor Dieter Böhm, vorher Hauptlehrer in Listrup, wurde sein Vertreter. Zum Schuljahresbeginn 1974 kamen mehr als 40 Kinder aus Engden und Drievorden zusätzlich in die Grundschule, weil dort die Schulen geschlossen wurden. Dadurch schnellte die Schülerzahl vorübergehend auf 310 herauf. Zur Zeit sind es 259 Kinder.

Durch den späteren Ankauf von „Kuipers Weide" östlich des Dunkernpättkens konnte der Pausenhof 1980 um eine große Spielwiese vergrößert werden. Die Bemühungen, die bloß „volkstümliche Bildung" im Grundschulbereich durch vorwissenschaftliches Lernen zu verbessern, führte in Teilbereichen weg vom Gesamtunterricht hin zum Fachunterricht. Förderunterricht wurde eingerichtet, ein Schulchor unter Frau Westermann wurde gegründet.

Größere und kleinere Feiern spielen im Jahreslauf der Joseph-Tiesmeyer-Schule eine gemeinschaftsbildende Rolle. In einem etwa dreijährigen Rhythmus finden größere Schulfeste statt, so daß jedes Kind im Laufe seiner Grundschulzeit ein solches Fest miterlebt hat. Eltern, Kinder und Lehrer gestalten dann gemeinsam „ihr" Fest.

Am 31.7.1986 trat Rektor Pieper nach fast dreißigjähriger Schulleitertätigkeit in Emsbüren in den Ruhestand. Nach einer Übergangszeit wurde Rektor Hubert Meiners, der bisherige Stufenleiter der Orientierungsstufe in Emsbüren, Leiter der Joseph-Tiesmeyer- Schule. Zum 1. 8. 1993 wurde an der Grundschule die „volle Halbtagsschule" eingeführt. Die Kinder der ersten beiden Schuljahre haben täglich um 12.05 Uhr, die der 3. und 4. Jahrgänge um 13.05 Uhr Schulschluß. Am Samstag ist schulfrei. - Besondere pädagogische Maßnahmen, die geplant sind, können wegen Raummangels noch nicht durchgeführt werden. Es werden z. Z. noch drei Klassen im Gebäude der Sonderschule unterrichtet. 

5. Liudger-Realschule - ab 1965

In Emsbüren erzählte man in den fünfziger Jahren noch gern von der ehemaligen


Beach-Volleyballanlage

Rektoratsschule. Als sich die wirtschaftliche Lage immer mehr verbesserte, wurde hier der Wunsch nach Wiedereinführung einer weiterführenden Schule immer stärker artikuliert. Die Zahl der Übergänge zu den höheren Schulen der Umgebung, auch zu den Internatsschulen in Meppen, Handrup und St. Arnold, wuchs in Emsbüren besonders stark.

So ist in der Lingener Tagespost vom 11. 10. 1963 zu lesen: „Mittelschule für den Südkreis. Die Gemeinden Emsbüren, Leschede und Salzbergen bemühen sich um die Trägerschaft der Schule ..." 19 Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten hatte Emsbüren die besseren Aussichten unter den drei Gemeinden. Der Schulzweckverband stellte einen Antrag auf Errichtung einer zweizügigen Mittelschule. Im Dezember 1964 wurde die Genehmigung erteilt. Am 21.4.1965 begann für 60 Schülerinnen und Schüler aus dem Kirchspiel Ems-büren, der Samtgemeinde Salzbergen sowie aus den Orten Engden und Drievorden der Unterricht in den Räumen der ehemaligen Landwirtschaftsschule. Mittelschullehrer Paul Hermanns aus Papenburg, bisher an der Marienschule und der Mittelschule in Lingen tätig, wurde zum Schulleiter berufen. Im April 1965 wurden alle Mittelschulen in Niedersachsen in Realschulen umbenannt.

In einer Vorstandssitzung des Schulzweckverbandes wurde Anfang 1967 der neugebildeten Samtgemeinde Emsbüren (Berge, Mehringen, Emsbüren) die Trägerschaft der neuen Schule übertragen. Baubeginn war der 1.3.1967. Der erweiterte Samtgemeinderat beschloß am 22.5.1967, die neue Schule „Liudger-Realschule" zu nennen. Liudger war um 800 Missionar in unserem Raum. Am 27.8.1968 konnten alle Klassen in das moderne Schulgebäude überwechseln. Turn- und Schwimmhalle wurden anschließend gebaut und am 15.1.1970 zur Benutzung freigegeben.

Durch das im Atriumstil errichtete Hauptgebäude ergab sich ein über drei Geschosse aufragender und von einem interessant gestalteten Treppenkörper beherrschter Innenraum. Der Höhenunterschied im Gelände wurde im Inneren des Gebäudes aufgefangen und zu einem erhöhten Bühnenraum gestaltet, der mit moderner Theatertechnik ausgestattet wurde. Die Gemeinde Emsbüren verfügt durch die Doppelfunktion dieser Pausenhalle über einen repräsentativen Feierraum, der eine recht gute Akustik hat.

So wurde dieser Raum zum ersten Male am 30.1.1970 zum Konzertsaal: das Lingener Kammerorchester spielte.

Die Emsbürener Musiktage wurden seit 1976 zu einer festen Einrichtung im Gemeindeleben. Die Theater-AG der Liudger-Realschule, der Kulturkreis Kirchspiel Emsbüren und viele andere Veranstalter luden wiederholt in das Atrium der Realschule ein.

Am 1.8.1973 erreichte die Realschule mit 381 Schülerinnen und Schülern ihre größte Schülerzahl. Durch die Einführung der Orientierungsstufe 1974 verlor sie die Jahrgangsstufen 5 und 6. Zur Zeit besuchen 215 Kinder und Jugendliche die Schule.

Am Ende der 10. Klasse kann der Sekundarabschluß I - Realschulabschluß oder der Erweiterte Sekundarabschluß I erreicht werden. Letzterer berechtigt zum Besuch der Oberstufe eines Gymnasiums. Die Liudger-Realschule arbeitet eng mit dem Gymnasium Georgianum und dem Gymnasium Johanneum, beide in Lingen, zusammen.

In mehreren Jahren errangen Mädchen und Jungen dieser Schule beachtliche sportliche Erfolge. Bei den Wettkämpfen „Jugend trainiert für Olympia" in Berlin hat die Volleyballmannschaft der Mädchen 1989 im Ländervergleich den zweiten Platz errungen...

Mit Ablauf des Schuljahres 1992/93 wurde Realschulrektor Paul Hermanns, der die Schule von ihrem Anfang an leitete, in einer Feierstunde verabschiedet. Sein Nachfolger ist seit dem 1. Februar 1994 der bisherige Stufenleiter der Orientierungsstufe Wilhelm Krümpel.
 

6. Hermann-Gmeiner-Schule; Sonderschule für Lernbehinderte — ab 1970

Ein hervorragendes Ziel des Umbaus des Schulwesens war, das einzelne Kind in seiner besonderen Veranlagung und Begabung zu fördern. So war es nur folgerichtig, neben der Realschule, der Hauptschule mit Förderstufe und der Verbesserung der Grundschule besondere Einrichtungen für Kinder mit langandauernder, schwerwiegender Beeinträchtigung des Lernvermögens zu schaffen. Der damalige Landkreis Lingen wollte für den Südteil eine solche Sonderschule bauen. Bei der Wahl des Standortes wurde das Schulzentrum Emsbüren als Schulort bestimmt. Zu Beginn des Schuljahres 1970/71 konnte der Unterricht in fremden Räumen beginnen. Franz Gellrich wurde zum Schulleiter ernannt und mit dem Aufbau der Schule beauftragt. „Für die Übergangszeit stellte die Liudger-Re-alschule Räume zur Verfügung, so daß... für 39 Kinder in zwei Klassen der Unterricht beginnen konnte..."20

Für den Neubau in Trägerschaft des Landkreises stellte die Gemeinde Emsbüren das Grundstück zur Verfügung. Am 9.8.1971 war Baubeginn. Zu Beginn des Schuljahres 1972/73 war die Schule noch nicht fertig. Man benötigte aber vier Klassen. Die waren bei der gastgebenden Realschule nicht mehr frei. Es kam nur der Umzug in das neue Gebäude in Betracht. „Als Übergangslösung wurden vier Räume im Südflügel notdürftig hergerichtet, so daß nur unter erschwerten Bedingungen unterrichtet werden konnte. Improvisation, Behelf, Bau lärm, Schlammwege u.a.m. kennzeichneten... den Alltag. Am 28.4.1974 konn¬te schließlich mit einem „Tag der offenen Tür" die Fertigstellung der Schule gefeiert werden ..." 21 berichtet Franz Gellrich in der Jubiläumsschrift von 1990.

Der Aufbau der Schule wurde in den ersten Jahren besonders vom. Lehrer¬mangel beeinträchtigt. Erstmals konnte im Schuljahr 1975/76 für 88 Schüler in sechs Klassen voller Unterricht erteilt werden. In diesem Jahr besuchen 27 Kin¬der die Schule, die in vier Lerngruppen unterrichtet werden.

Für den Unterricht stehen z. Zt. vier Unterrichtsräume, ein Gruppenraum und fünf Fachräume zur Verfügung. Die darüber hinaus vorhandenen Räume werden außerschulisch genutzt.

Ein besonderes Ereignis in der Schulgeschichte war die Feier des 20jährigen Bestehens und der Namensgebung der Schule. Seit 1990 heißt sie: „Hermann-Gmeiner-Schule". Gmeiner ist Begründer der SOS Kinderdorfbewegung. Die SOS Kinderdörfer bilden heute das größte Sozialwerk für notleidende und alleinstehende Kinder in der Welt.



Schulsportstätten:

Vom Turnstaken zum Sport- und Freizeitzentrum 

1. Am „Turnstaken" - ab 1895

Die „Allgemeinen Bestimmungen" von 1872 schrieben erstmals für die Schule das Turnen vor. Der Turngedanke des Turnvaters Jahn mit Freiübungen und Geräteturnen hatte sich durchgesetzt. Als der neue Schulbau am Kirch¬platz 1894 mehr Fläche einnahm als die ehemaligen Gebäude der Mädchen-und Knabenschule, fehlte der Platz für das Turnen. Mit behördlicher Genehmigung wurde der neue Turnplatz mit Reck, Barren, Kletterstangen und vielleicht auch Rundlauf am Galgenberg an der heutigen Ludgeristraße angelegt. Nach den hölzernen Stangen der Turngeräte entstand der Name „ Turnstaken" . Für die Freiübungen, die auf Kommando des Vorturners oder des Lehrers geturnt wurden (1-2-3-4!), und für das Geräteturnen reichte der Platz aus. Bis in die dreißiger Jahre zogen die Jungen und Mädchen singend durchs Dorf zum Turnstaken. Wenn eine Doppelstunde auf dem Stundenplan stand, fand der Sportunterricht auf dem Sportplatz an der Mehringer Straße statt. 1963 hat der Verschönerungsverein Emsbüren den ehemaligen Turnplatz hergerichtet und eine Bankgruppe aufgestellt.

2. Sportplatz auf dem Windfeld - ab 1919

Der Sportgedanke verdrängte nach der Jahrhundertwende immer mehr den des Turnens. Durch freiwillige Anstrengung im Sport und auch im Spiel sollten die Lebensfreude gesteigert und die Leistungsfähigkeit erhöht werden. Der Wettkampfgedanke wurde in Spielen und leichtathletischen Übungen Allgemeingut und zog auch in die Schulen ein. Der Schulsport sollte zur Erziehung beitragen und zu einer lebenslangen sportlichen Betätigung anregen. König Fußball trat seinen Siegeszug an. 1919 wurde der Sportverein Concordia gegründet. An der Mehringer Straße westlich des Fleckenbaches wurde ein 1,7 ha großes Stück Brachland, das dem Schulzweckverband Emsbüren-Berge gehörte, mit einfachen Mitteln zu einem Sportplatz hergerichtet. Auf dem Trockenen Platz wuchs kaum Gras, es gab dafür mehr „Bühlsand" . Hin und wieder wurde der Platz mit Egge und Wiesenwalze eingeebnet..

Hier gab es Turnen, Leichtathletik, Fußball und andere Wettspiele. Sportfeste, an denen mehrere Schulen beteiligt waren, wurden aufgezogen. So berichtet die Schulchronik: „ ... am 11.8.1929 fanden... die Reichsjugendwettkämpfe statt. Eine zahlreiche Menschenmenge wohnte den Übungen bei. Die Musik stellte die hiesige Feuerwehr...”22

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dieses Gelände als Baugebiet ausgewiesen. Für Schule und Verein fand man einen günstiger gelegenen und besseren Platz.

3. Sportplatz im Hagen - ab 1950

Von den Grundbesitzern Plagge, Heskamp und Caffier/Taphorn wurde das Gelände des neuen „Fußballplatzes" angemietet. - Die strapazierfähige Grasnarbe des neuen Platzes war eine grundlegende Verbesserung gegenüber dem Platz mit dem wehenden Sand an der Mehringer Straße. Am Platzrande standen Obstbäume, Kuh und Pferd weideten die Grasnarbe ab, die auch hin und wieder mit einer Grasmähmaschine kurz gehalten wurde. Im Herbst diente der freie Platz bis in die sechziger Jahre hinein hinter dem Tor an der Richthof - straße als allgemeiner Dreschplatz, auf dem Emsbürener Bürger, die ja zum Teil noch ihre Felder bebauten, ihren Roggen vom Lohnunternehmer dreschen ließen. Zum „Sportfest" wurde dieser Platz vom „Kaff" gereinigt und die Sprunggruben, die sich hier befanden, wurden in Eigenarbeit wieder hergerichtet. Insgesamt gesehen war der Platz ein großer Fortschritt für den Schulsport. Heute ist er wichtig für den Vereinssport.

4. Sportfeld an der Hanwischestraße - ab 1969

Durch die Entwicklung der Schulen im entstehenden Schulzentrum kamen hier seit der Einführung des 9. Schuljahres 1962 von Jahr zu Jahr immer mehr Schülerinnen und Schüler zusammen. Dafür reichte der alte Platz nicht aus. Zudem mußte auf dem Wege dorthin die Landesstraße 40 überquert werden, die damals noch keine Ampelanlage hatte. Am 23. 10. 1964 kaufte der Schulzweckverband vom Bauern Tebbel an der Einmündung des Prozessionsweges in die Hanwischestraße ein 2,2 ha großes Gelände für 4,30 DM/m2. Wegen verschiedener Schwierigkeiten zog sich die Fertigstellung des Sportplatzes hin.

Um so größer war die Freude bei der ersten Großveranstaltung, die vor den Sommerferien 1969 auf der neuen Anlage bei strahlendem Sonnenschein stattfand.

Die Lingener Tagespost berichtet am 21.6.1969: „700 kämpften um Sieg und Punkte. Bundesjugendspiele von sechs Schulen in Emsbüren... Es gingen 38 Riegen an den Start ..."23 Das neue Sportfeld mit Fußballplatz und Leichtathletikanlagen hatte seine Bewährungsprobe bestanden, wenn auch der wenig wasserdurchlässige Boden und die Platzdrainage in den folgenden Jahren zunächst noch einige Schwierigkeiten bereiteten.

5. Turnhalle - Schwimmhalle - 1969

Etwa zeitgleich mit dem Erweiterungsbau der Hauptschule wurden diese beiden Hallen an der Realschule erbaut. Am 15. 1. 1970 wurden sie offiziell für die Schulen zur Benutzung freigegeben.

Beide Sportstätten sind durch einen überdachten Gang mit der Realschule verbunden. Von den anderen Schulen des Schulzentrums können sie über die Pausenhöfe erreicht werden. Die Kinder der Grundschule Leschede kommen mit dem Schulbus zur Schwimmhalle. Die Turnhalle von 14 x 28 m wurde mit einer Trennwand versehen, so daß zwei Kleingruppen gleichzeitig darin üben können. Diese Halle war damals ein Riesenfortschritt für den Schulsport. Doch bald zeigte sich, daß diese moderne Halle für die vielen Klassen im Schulzentrum nicht ausreichte. Auch die Maße von 14 x 14 m waren für den Schulsport

197 zu klein. Das Lehrschwimmbecken von 8 x 16 2/3 m hat einen Hubboden, der gerade für den Schwimmunterricht der Grundschüler sehr vorteilhaft ist. Durch diese Übungsstätte erhielt der Sport eine neue Dimension.

War vorher die „Verleihung" eines Freischwimmerzeugnisses wegen ihrer Seltenheit eine Schulfeier wert, so lernten fast alle Kinder von diesem Zeit-punkt an das Schwimmen im Kindergarten- oder Grundschulalter. 1992 wurde die Schwimmhalle erweitert und modernisiert.

6. Sporthalle im Schulzentrum - 1982

Immer mehr zeigte sich, daß die eine Turnhalle an der Realschule für die vielen Klassen im Schulzentrum nicht ausreichte. 1980 konnte endlich mit dem Bau der Großsporthalle auf dem vorhandenen Grundstück zwischen Grundschule und Sonderschule begonnen werden. Ein Geländestreifen war von Heinrich Egbring angekauft worden. - Nach den Sommerferien 1982 wurde die Sporthalle in Betrieb genommen und zugleich mit der Turnhalle an der Waldschule in Leschede am 13.1.1983 eingeweiht.

Die Sporthalle ist für alle gängigen Sportarten geeignet. Sie läßt sich durch zwei Vorhänge in drei Hallenteile von jeweils 15 x 27 m aufteilen. Das Licht fällt durch 36 Lichtkuppeln von oben ein. Dadurch ist das Spielfeld schattenfrei ausgeleuchtet. An der nördlichen Längsseite befinden sich im eingeschossigen Trakt vier Wasch- und Umkleideräume sowie zwei Regieräume für die Übungsleiter. An der gegenüberliegenden Seite finden über den Geräteräumen 300 Besucher auf der Tribüne Platz.

Für die sporttreibende Jugend in Schule und Vereinen ist die Sporthalle eine wertvolle Trainings- und Begegnungsstätte geworden, in der besonders die Volleyballmädchen des FC 47 Leschede ihre Siege erringen konnten.

 

7. Sport- und Freizeitpark - 1993/94

Dem Schulgelände gegenüber gehen die Arbeiten am Sport- und Freizeit-park dem Ende entgegen. Die Hochbauten werden noch erstellt. Zwei neue Großsportfelder, eins davon mit Leichtathletikanlagen, sind fertiggestellt. Waldbodenlaufbahnen und asphaltierte Wege ziehen sich für Laufdisziplinen und für Spaziergänger durch das Gelände. Das große Regenrückhaltebecken mit seinem begrünten Ufer im nordwestlichen Bereich unterstützt den parkähnlichen Charakter der Anlage. Wege führen um diesen kleinen See herum. Im Jubiläumsjahr soll dieser Freizeit- und Sportpark für den SV Concordia, für die Schulen und für die Öffentlichkeit freigegeben werden. - Somit steht für die Schulen ein gutes Angebot an Sportstätten zur Verfügung.






 




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