Bürsker Begriffskuriositäten


Es gibt Worte, Ausdrücke und Bezeichnungen, die für den Ort Emsbüren charakteristisch sind.
Hier soll ein Auszug davon festgehalten werden.
Die Auflösung der Fragen zu den Begriffen wird von den Redakteuren unter Einbeziehung kleiner Anekdoten nach und nach eingestellt, es bleibt also interessant !
 

Aus dem Inhalt


Was ist ein "Piggedag" ?
Was ist ein "Peggel" und was heißt es zu "peggeln"?
Gibt es die Kreuzstraße wirklich?
Was heißt es "Taleika" zu machen?
Wo ist "Schludden Pand"?
Warum gibt es in Bürn zu Pfingsten den "Schützenfestmontag" und "Pfingstmittwoch" ?
Was geschieht auf "Schmeings Kämpken"?
Was ist ein "Schlakkadorius"?
Was sind "Dicke Beschüte"?
Was hat es mit "Barkelings Püttken" auf sich?
Was bedeutet es "unwies" zu sein?
Was ist eine Knäppkebüsse?
Was hat es mit der Emsbürener "Reeperbahn" auf sich?
Wo ist in Bürn der "Hagen" und wer sind die Hagensianer?
Was sind "Ein paar passende Worte" ?
Wer sind in Emsbüren die Poahlbörger?
Was hat es mit dem "Emsbürener Kreuzweg" auf sich?
Wer sind die "Bürsker Grüppenschieters?"
Ist der Ort Emsbüren tatsächlich vom Ortsteil Berge "umzingelt" und steht die St. Andreas-Kirche auf "Bergler Grund"?
Wer war die "Naistertante" und was sind "Kloasperdkes"

Spezifische Bezeichnungen:

Namen:
Schoadierks,  Pruss,  Mäners,  Sette-Bernds,  Franzkopers,  Pelskers, van Graes-(woher kommt dieser Name),  Hofjans,  Backebernds, Tever

Orte:
Backebernds Meiken, Turnstaaken, Queckenbömken, Caffier Moate, Osteresch

 

Wo ist "Schludden Pand"?
So wie es „Ömken sien Pant“ wirklich gab, so gab es auch „Schludden sien Pant“. Es gab aber den großen Unterschied; „Schludden sien Pant“ gab es in Wirklichkeit nicht. Aus Erzählungen der Vorfahren geht hervor, das die jungen Emsbürener bei Schludde nachfragten, wo sie wohl Holz für's Osterfeuer bekommen konnten, so war die Antwort: „De halt ju man ut use Pant“. Er gab dann irgendein Grundstück an, in dem viel Holz herum lag. Die Emsbürener münzten das ganze um. Wenn also jemand zum Beispiel zu Weihnachten einen schönen Baum aufgestellt hatte, und die Nachbarn fragten: wo kommt denn ein so schöner Baum her? Die Antwort: „Ut Schludden sien Pant“. Dann wusste jeder sofort; der Baum war unrechtmäßig aus dem Wald geholt worden. Der Spruch: „Ut Schludden Pant“ ist in der älteren Generation auch heute noch in Gebrauch.


                                                       

Heinrich Schludde war Nachtwächter, Vollziehungsbeamter und Gemeindediener. Er wohnte in der Bahnhofstraße zwischen Mülder und Tönnis. Er Starb 1942. Seine Frau ist den älteren sicher auch noch bekannt. Sie starb im Jahre 1952. Eine Nachbarin, Anni Veerkamp (Mülders Anni), erzählt folgende Geschichte: „ Ick hebb denn ollen Schludde noch gut kannt. Wann he nachts sienen Rundgang as Nachrwächter mök, dann konn he ruken woar gerade schlachtet wörde. Bie us in'n Huse wör keggen Oabend schlachtet un nachts wostet. Over Dag hadden use Öllern keine Tied, bie so vull Wichter int Hus. Kott noa Middenacht kamm he dann an, sette sick an'n Dischk und wochte so lange bis de erste frischke Woast inne Panne lag un brodd wörde. He att sich satt un göng sienen Weg.“

 

Was hat es mit "Barkelings Püttken" auf sich?

Als es in Emsbüren noch keine Feuerwehr gab, wurde am oberen Ende im Uphok ein Brandpohl   erstellt.
Wenn es im Dorf brannte, mussten einige Männer zum Brandpohl und mit sogenannten  „Jauchescheppern“ Wasser in eine Rinne schöpfen. Das Wasser lief durch eine Rinne bis zur „Kreuzstraße“. Wenn der Brand in der Nähe war, wurde eine Eimerkette gebildet, um den Brand zu löschen. War der Brand aber weiter weg, z.B. in der „Langen Straße“, wurde das Wasser über ein Grabensystem weitergeleitet, etwa nach „Barkelings Püttken“.
Als es vor einigen Jahren noch das alte Straßensystem gab, war bei der Gaststätte Barkeling (wo heute das Bronzepferd steht) eine Pütte.
Es war der Treffpunkt der Emsbürener Jägerschaft und so ist es auch heute noch. (HH)


 


Was geschieht auf "Schmeings Kämpken"?                                             
In früheren Jahren war es in den Ortschaften mit einer Kirche so geregelt, dass der Kirchhof auch gleichzeitig der Friedhof war. Aus alten Polizeiakten ist ersichtlich, dass es in der Gaststätte Tunnien eine große Schlägerei gegeben hatte, die sich bis auf den Kirchhof (Friedhof) erstreckte. Die Hauptübeltäter wurden verurteilt, zu Fuß Weihwasser aus Münster zu holen, um den Friedhof wieder einzuweihen. Zur damaligen Zeit gehörte Emsbüren zum Bistum Münster.


Als Napoleon Bonaparte auf seinen Feldzügen Richtung Osten in Emsbüren Station machte, erließ er im Jahre 1805 ein Seuchengesetz. Dieses besagte, dass der Friedhof außerhalb der Ortschaften zu verlegen ist. Nun war guter Rat teuer. Schließlich erklärte sich der Bauer Schmeing bereit, ein Stück seines Kampes zur Verfügung zu stellen. Dieser lag zwischen der Ahlder- und Schüttorfer Straße. Eingeweiht wurde der Friedhof im Jahre 1808. Wenn man durch das alte Haupttor auf den Friedhof geht, kann man auf der Rückseite der steinernen Pylonen die Inschrift erkennen    „Anno 1808“.

Im Jahre 1958 an Allerheiligen wurde die Friedhofserweiterung feierlich durch Pfarrer Hubert Meyer zu Schlochtern eingeweiht. Die Planungen wurden noch vom Dechant Josef Krämer zwei Jahre zuvor begonnen. Die Lingener Tagespost schreibt in einem Bericht vom 04.November1958: (Zitat) „Eine würdige Ruhestätte“  - 3000 Gläubige bei der Friedhofsweihe in Emsbüren. (Die Originalausgabe der LT liegt vor).

25 Jahre vorher war der alte Friedhof durch den Gartenbauarchitekten Hempelmann aus Lohne gestaltet worden
Der Friedhof erhielt sofort nach Bürschker Manier den Namen „Schmeings Kämpken“. Und so ist es bis zum heutigen Tag geblieben. Wenn sich in Emsbüren mal eine Person über die Massen voll „frisst oder vollsäuft“, heißt es gleich: Mak du man so wieder, dann liechs wanner up Schmeings Kämpken…

Zur Ergänzung: Napoleon hat in unserer Gegend wohl verschiedene Rastplätze gehabt. An verschiedenen Plätzen im „Kespel“ hat man Utensilien aus Napoleons Zeiten gefunden. Es handelt sich um Munition, Münzen und Gürtelschnallen….

HH
 


Gibt es die Kreuzstraße wirklich?
 
Die Kreuzstraße in Emsbüren hat seit Jahrhunderten für die Bevölkerung eine große Bedeutung. Sie galt immer als der Mittel- und beliebter Treffpunkt von Emsbüren. Hier liefen die Hauptstraßen zusammen.
 
  • Aus dem Norden die Papenstrasse, benannt nach den Pastören, den Popen.
  • Aus dem Süden kommend die Lange Straße, früher Münsterstraße und auch eine Zeit lang Hauptstraße genannt.
  • Aus Osten Dalhoek-Bahnhofstraße-Emsstraße. Dalhoek bedeutet: der tief liegende Ort.
  • Von Westen her kommend der Uphoek, benannt nach dem hoch gelegenen Ort.
Offiziell hat es die Kreuzstraße nur mit einer Adresse gegeben, das war die Hausnummer 43 und sie gehörte zum Haus Nadorff (später Hungeling), heute das Malör.
Auch heute ist die Kreuzstraße umgangssprachlich präsent als Treffpunkt z.B. für das Kleppen vor Ostern oder am Kirmesfreitag für das „Kirmeswagenzählen“ der Bürgerschützen.
Ebenfalls ist es eine Gewohnheit zum Bürger-Schützenfest bei Aus- und Einmarsch des Vereins mindestens einmal „über die Kreuzstraße“ zu marschieren.
Gestandenen Emsbürenern wird nachgesagt, nach einer Reise oder einer Abwesenheit aus Freude über die Rückkehr nach Emsbüren als erstes eine Dorfrunde zu drehen und über die Kreuzstraße fahren zu müssen.
Im Rahmen einer Veranstaltung des Bürger-Schützenvereins wurde ein Schild mit der Aufschrift „Kreuzstraße“ angebracht.
(HH / OS)


                                  
 

 

  



Was ist eine „Knäppkebüsse“?

Vor einigen Jahren waren auf der Emsbürener Kirmes „Erbsenpistolen“ der große Renner.

Schon in viel früherer Zeit gab es so etwas schon einmal. Nur nannte man das Ding „Knäppkebüsse“.

Zu der Zeit, wenn die Vogelbeeren noch grün und fest waren, wurde die Luftdruckwaffe gefertigt. Man gebrauchte dazu

  • einen Ast vom Holunderstrauch, ca 2 cm Durchmesser,

  • einen Ast von Hartholz, am besten Haselnuss, Durchmesser ca. 2 cm

  • einen Nagel, der 10-12 cm lang ist.

                                         

Vom Ast des Holunderstrauches und vom Ast des Haselnussbaumes gebrauchte man je 8-10 cm. Der Holunderast wurde ausgehöht. Der Nagel musste soweit in das Haselnussholz getrieben werden, bis er noch ca 1 cm weniger herausragte, als das Holunderholz lang war.

Wenn man nun eine noch grüne Vogelbeere in den Holunderast steckte und mit dem Nagel fast bis durch den ausgehöhlten Ast schob, konnte man eine zweite Beere einschieben. Wenn man diese nun schnell mit dem Nagel nach vorne drückte, entstand ein so großer Luftdruck, dass die Beere manchmal bis zu 20 m weit flog.

Die Technik war eben noch nicht soweit, aber der Erfindergeist war sehr gross.

(HH)
 



Was sind „Dicke Beschüte“?
 

Die vielen Bäcker aus dem alten Kirchspiel Emsbüren haben neben ihren Broten, Brötchen, Kuchen und Zwiebäcken auch noch eine besondere Art von Zwiebäcken gebacken: Die „Dicken Beschüte“.
So gab es eben Hagspiels, Backjobs, Backebernds Klienes, Schröers, Fröhlichs, Korten „Dicke Beschüte“.
Der Name Beschüte kommt aus dem Holländischen. Dieser Zwieback war in Form eines Würfels gebacken. Dicke Beschüte waren nur eine von vielen Sorten. So gab es noch Rund Zwiebäcke, feine dünne Zwiebäcke, Guss-Zwieback, Makronen-Zwieback und Stribben- die Zuckerzwiebäcke. Dicke Beschüte gab es aber nur im benachbarten Holland bis zur Stadt Borne und bis Osnabrück, sowie im Münster- und Emsland. Der Zwieback bestand zu zwei Dritteln aus klebereichem Mehl, das aus kanadischem Manitoba-Weizen gewonnen wurde, zu einem Drittel aus Weizenmehl mit der Kennnummer 550 und Zutaten wie Zucker, Salz, Eier, Butter und Milch.
In früheren Jahren, als die Bauern nur am Sonntag zum Einkaufen ins Dorf fuhren, wurde bei den Geschäften die Einkaufstasche mit dem Bestellzettel vor der Sonntagsmesse abgegeben. Die Tasche wurde gepackt und der Betrag der eingekauften Waren wurde errechnet. Vom Landwirt mitgebrachte Dinge, wie Eier, wurden verrechnet. Die Messe war zu Ende und die Frauen kamen ins Geschäft, gingen in die Küche und bekamen Kaffee und „Dicke Beschüte“ mit Butter. An hohen Feiertagen wurde auch schon mal Schinken auf die Beschüte gelegt.
In der Zwischenzeit gingen die Männer natürlich zum Frühschoppen. Danach fuhr man in alten Zeiten noch mit der Kutsche heim.
„Dicke Beschüte" sind also Zwiebäcke ohne Zucker.
Gebraucht wurden und werden sie noch heute zum Beispiel für die Herstellung von Suppenklössen. Viele Frauen haben sie auch zur Herstellung von Paniermehl verwendet. Besonders gut schmecken sie in der Rindfleischsuppe. Gut, dass es sie auch heute noch gibt! Sie haben meistens einen anderen Namen: „Einback“

                   



    Hier eine Zeitungsannonce
    des Emsbürener Bäckers J. van Lengerich
    aus dem Jahre 1885










 


Was hat es mit der Emsbürener „Reeperbahn“ auf sich?

Die Reeperbahn in Hamburg kennt wahrscheinlich jeder Mensch.

Aber gibt es die Reeperbahn auch noch in anderen Orten? –Ja-.

Es könnte sie in vielen Orten gegeben haben. In Emsbüren gab es sie ganz sicher.

Die Familie Denker im Dalhoek betrieb in früheren Jahren eine Seilerei. Man stellte also Seile nach Wunsch der Kunden her, genauso wie auf der Reeperbahn in Hamburg. Im Hamburger wie im Emsbürener Platt waren das also Reepe, eben Seile für alle Zwecke: In Hamburg überwiegend für die Seefahrt - in Emsbüren für die Landwirtschaft.

Während in den ersten Jahren nur dünne Seile gefertigt wurden, konnte man das noch selbst zu Hause machen. Als die Reepe dicker und länger sein mussten, zog man in den Uphoek. Der Volksmund sprach dann von der Spinnebahn - abgeleitet von der Spindel, die sich bei der Herstellung drehte. Als dann die dicken und langen Seile erstellt wurden, sprach man von der Reeperbahn.

Die Familie Denker hatte auch eine Verkaufsstelle für ganz besondere Seile (Reepe) von der Flachs- und Heede - Spinnerei „Georg Stelling, Gräber & Co“ aus Hannover.

Die Anzeigen sind aus dem „Lingener Volksboten“ vom 20. November 1886


                         
 

De Bürschker Grüppenschieters

Der Name Grüppenschieters rührt wohl aus einer Zeit her, dass es zwar viele Kneipen in Emsbüren gab, aber nicht alle mit einer Toilettenanlage ausgestattet waren.
So passierte es häufig, dass fremde oder auswärtige Gäste zum Verrichten der Notdurft nicht mal eben nach Hause gehen konnten.
Man ging daher schnell zwischen die Häuser und machte sehr zum Zorne der Anwohner sein Geschäft.

So ist der Name „De bürschker Grüppenschieters“ entstanden. Viele dieser sogenannten Grüppen sind nicht mehr zu finden. Es gibt sie noch vereinzelnd im Uphoek zwischen den Häusern Koper/Kelbel und Hilvert, im Dalhoek zwischen Kuipers und dem Haus Denker und in der Langen Strasse zwischen dem Emsländischen Hof und Köster, zwischen Köster und dem Haus Hölscher und zwischen Hölscher (heute Sokrates) und Dankelmann.
Grüppen sind die Gänge zwischen den Häusern. Sie hatten ursprünglich ein Breitenmaß, das es erlaubte mit einer Schubkarre hindurch zu fahren. Früher gab es diese Gänge fast zwischen allen Häusern. Fast jedes Haus hatte eine kleine „Landwirtschaft“ und musste das Viehfutter und sonstige Dinge bis hinter das Haus befördern. Zudem war der Freiraum zwischen den Häusern vorteilhaft als Brandschutzmaßnahme.


 



Was ist ein Piggedag?

Ein Gleesener wird in Bürn aufgeklärt….

Ob es nach Panik-Orchester Auftritten in gemütlicher Runde beim Bier war oder bei gelegentlichen Besuchen am Stammtisch von „Tauch unter" - fast durchweg waren die Geschichten von Gröasken und Book-Heine die Highlights der Zusammenkünfte.
Eines Abends startete Gröäsken mit der Andeutung auf eine neue Geschichte folgendermaßen: Da haben wir mal wieder einen Piggedag gemacht.
Gleich kam meine Frage: Was ist das denn?
Er schaute mich ungläubig an und sagte: Du kannst doch Plattdeutsch sprechen…
Dennoch musste ich ihm versichern, dass dieser Ausdruck mir noch nicht über den Weg gelaufen war. (Ich habe dann wenige Tage später bei der nächsten Schützenvereinsversammlung in Gleesen nachgefragt nach diesem ominösen Piggedag. Und tatsächlich: Keiner kannte diesen Begriff. Er scheint also ein Bürsker Spezialausdruck zu sein.)

Nun erklärte Andreas dieses Phänomen folgendermaßen: Es wurde in Emsbüren manchmal recht kurzfristig entschieden, dass es mal wieder nötig sei, einen besonderen Tag einzulegen, an dem aus purer Bürsker Lebensfreude einfach mal nicht gearbeitet wurde. Man glaubte es sich leisten zu können, einen Feiertag außerhalb der Reihe einlegen zu dürfen und dabei kräftig auf den Putz zu hauen. Das konnte in Emsbüren, aber auch außerhalb geschehen – allerdings war das in aller Regel reine Männersache.

           
 
So könnte es ausgesehen haben an einem "Piggedag"

Zahlreiche recht „bunte“ Beispiele von Beschreibungen von solchen Piggedagen folgten als Anschauung.

Die Erklärung für diesen Begriff gab Pöttker:
In früherer Zeit wurden fast alle Gebäude in einem Holzfachwerk errichtet, um eine möglichst große Stabilität in die Außenwände zu bekommen, da man noch keinen Zement hatte. Zum Verbinden und Befestigen der einzelnen Fachwerkbalken gebrauchte man Holznägel, die im Plattdeutschen Piggen genannt wurden. Diese wurden von den Zimmerleuten in der Regel an Regentagen unter einem Scheunendach gefertigt. Dabei ließ man es langsam angehen und manches Schnäpschen wurde dabei getrunken. Man freute sich also auf diese Pigge – Dage.

BR

Hier ebenfalls eine Erklärung aus einem Artikel des Emslandmuseums Lingen:
Bis Mitte des vorletzten Jahrhunderts gab es nur Fachwerkhäuser. Wenn der Zimmermann alle Balken zugeschnitten habe, seien alle Freunde und Nachbarn zum „Piggedag“, dem Tag, an dem das Fachwerk aufgestellt und die Holznägel (Piggen) eingeschlagen wurden, gekommen. „Das war vor allem bei den schweren Deckenbalken eine lebensgefährliche Arbeit“. Und wenn dann alles gut gegangen sei, habe man den Richtkranz gesetzt und die Beteiligten, die unentgeltlich helfen mussten, mit Bier und Schnaps belohnt.
So erklärt sich auch die Entstehungsgeschichte unserer heutigen Richtfeste.

OS


Dazu hat „Hölschers Hubert“ als „Bürsker“ natürlich reichlich Hintergrundwissen:
Nicht nur die Zimmerleute sondern auch die Schuster haben mit Piggen gearbeitet.
Bei den Zimmermännern war der Piggedag der Tag nach einem Richtfest. Man schlug die letzten Piggen ein und feierte dann.
Der Schuhmacher hat mit kleinen Holznägeln das Schuhwerk mit der Sohle verbunden. Die Holznägel, etwa so dick wie ein Streichholz und ca. 1 cm lang, waren billiger als Eisennägel und sie rosteten nicht. Die Arbeit der Schuster mit den Piggen war eine sehr mühsame Arbeit. So ist es zu verstehen, dass auch die Schuhmacher ein paar frei Stunden gebrauchten.
Was machte man dann?

Man ging in die nächste Kneipe in der Hoffnung Gleichgesinnte zu treffen. Das war in Bürn kein Problem. Wenn man dann in Stimmung geriet und zu allem Tun auch noch gesungen hat, hörten es alle Nachbarn und schauten aus Neugier vorbei. Es war dann schnell klar, dass man vielleicht einem Nichtanwesenden einen Streich spielen sollte. So konnte es passieren, dass eine auserwählte Person schon mal mit der Schubkarre durchs Dorf gefahren wurde. Es konnte auch schon mal dahin geraten, dass man den "Piggedag" ausdehnte: Motto „aus eins mach zwei“.

Aus Erzählungen der Vorfahren geht hervor: Man brauchte ja nur bei „Antons“ (Bäcker Fröhlich, Lange Str.) aus der Tür nach links und rechts zu schauen und hatte sechs Kneipen im Blick. Man erkannte gleich, ob irgendwo Bewegung vor oder in der Kneipe war. Also ging man los.
Einen noch besseren Überblick hatte man von Nadorfs (später Hungeling-heute Malör): Von hier aus konnte sage und schreibe neun Kneipen sehen. (In noch früheren Zeiten gar vierzehn).

Dazu mehr unter dem Menüpunkt „Olle Kespel-Treffs“.

Es gab noch kein Radio und die wenigsten Familien hatten eine Zeitung. So erzählt Hermann Albers (Old Shatterhand): 1937 fand der Boxkampf von Max Schmeling gegen Joe Louis statt. Mein Bruder Hans und ich waren bei van Lengerich beschäftigt und konnten zu Hause einen Kurzwellensender empfangen, mit dem Radio von BvL. Unser Haus war überfüllt, da alle den Boxkampf mitverfolgen wollten.

Der Piggedag wurde später von den „Bürschker Jägern“, die sich ja bei „Barkelings Püttken“ trafen, in ein Zeltlager umgestaltet. Auch dazu gibt es noch einiges zu erzählen. Leider werden die Piggedage immer seltener. Zum einen gibt es ja nicht mehr so viele Kneipen und die Hektik der heutigen Zeit erlauben es kaum noch.

„Schade-Schade-Schade“
HH
 


Was bedeutet der Name Sette-Bernds?

In früheren Jahren wohnte auf dem Grundstück der Bäckerei Sabel die Familie Plagge. Das Grundstück ging vom Dalhoek bis zur Papenstraße, einschließlich des Hauses Kühn. Eine Tochter der Familie Plagge hatte den Namen Elisabeth, im plattdeutschen „Sette“ genannt. Bernhard Nadorff, wohnhaft im Hause Nadorff (heute Malör) an der Kreuzstraße 43 (siehe hierzu: Gibt es die Kreuzstraße wirklich) heiratete die Sette Plagge. Da er eingeheiratete, war er Sette sien'n Bernd. In Bürscher Sprache war der Name Sette-Bernd geboren. Bis vor einigen Jahren gab es auch noch Sette-Bernds dicke Beschüte. Da Bernd Nadorff (früher wurde es noch mit zwei F geschrieben) aus einer Notar-Familie stammte wurde schon die Verlobung notariell beglaubigt. Nach dem zweiten Weltkrieg heiratete Bernd Sabel aus Gersten hier ein und so wurde aus dem Namen Nadorff der Name Sabel.
(HH)

                                             

                                      Die notariellen Beglaubigungen der Verlobung von "Sette-Bernd" (Originale liegen vor)
 


Was ist ein "Peggel" und was heißt es zu "peggeln"?

Eigentlich ist die Antwort für 'nen Bürschker ganz einfach: "Wer peggelig ist und dauernd peggelt ist ein Peggel !"
Nun, es gibt ja viele Menschen, die mit allem zufrieden sind.
Dazu hätte meine Oma gesagt: „Dat bint nich de Schlechtesten, aber doar moss 'n Oage drup hollen“.
Natürlich gibt es viele, die gerne diskutieren. Das ist auch gut, wenn man am Ende zu einer Einigung kommt. Dann gibt es noch eine besondere Art von Spezies, die zu allen Dingen meckert und zwar so wie der Wind heute bläst.
Morgen sind sie dann gegen die eigene Meinung - Ihnen kann kein Mensch etwas recht machen.
Sie schimpfen über Alles und Jeden. Es hat sie gegeben, es gibt sie heute und auch die Zukunft ist vor ihnen nicht sicher.

Aber wie sollte man solche Menschen nennen?

In Emsbüren nennt man sie halt „Peggel“.

Der Begriff „Peggel“ kommt aus dem Plattdeutschen und oftmals ist der „Peggel“ bereits ortsbekannt für seine Eigenschaft.
Diese kann auch besonders unter dem Genuss alkoholischer Getränke auftreten und verstärkt sich dann oftmals noch.
Auch kann sich die Eigenschaft des Peggelns mit fortschreitendem Alter intensivieren, man würde die Person als „Ollen Peggel“ bezeichnen.
Andere Ausdrucksformen sind ebenfalls „Peggelkopp“ oder „Peggulant“, Frauen würde man als „Peggeliget Wiev“ bezeichnen.
(HH / OS)

 


Was sind „Ein paar passende Worte“ ?

In Emsbüren hat es sich zu geselligen Anlässen - seien es Geburtstagsfeiern oder Jubiläen, Feiern in der Nachbarschaft oder einfach nur an einem gemütlichen Abend in einer Gaststätte – etabliert, mithilfe „Ein paar passender Worte“ eine Ansprache bzw. Rede zu halten.

In dieser Rede wird dem Anlass entsprechend die Person oder das Geschehen gewürdigt oder der Redner möchte seinen Zuhörern mit amüsanten Worten etwas „zum Besten geben“.
In der Regel werden die „Passenden Worte“ in einer humorvollen Art, die durchaus derb aber herzlich sowie feingeistig und niveauvoll ist, präsentiert. Die Mischung aus Zitaten, Aussprüchen und Gedichten sowie der persönlichen Ausführung ist das Geheimnis der „Passenden Worte“.

Einigen Personen, die die Kunst der freien Rede beherrschen, liegt diese Art des Vortrages besonders und es wird immer wieder gerne ihren Darbietungen gelauscht.
Meistens wird der Vortragende von einer anderen Person „angekündigt“ bevor er beginnt und stellt sich zur besseren Übersicht in eine erhöhte Position (z.B. auf einen Stuhl). Typische Worte der Ankündigung sind z.B.: „Wir haben jemanden unter uns - ihr wißt schon wen ich meine – der sich bewogen fühlt ein paar passende Worte zum Besten zu geben...“ oder „Wir haben einen Künstler unter uns - es ist unser lieber...“

Der Vortragende bittet oftmals um „absolute Ruhe“ (...und wenn ich absolute Ruhe sage, dann meine ich auch absolute Ruhe...!), seine Ausführungen sind ihm frei überlassen nach dem Motto „des Künstlers Brot ist der Applaus“.
Ein ebenfalls bekannter Redebeginn ist „Ich stehe hier auf diesen Brettern, es sind die Bretter, die nicht nur für mich – sondern für uns alle die Bretter des Lebens sind...“

Große Vertreter dieser „Passenden Worte“ sind und waren unter anderem Heinz Fröhlich (Book-Heine) sowie Bernhard Silies (Schopper-Bernd), die sich in einer besonderen Art und Weise zu ergänzen wussten.
Erinnert werden soll hier an die typischen Aussprüche von Book-Heine, wie „das ist das A & O was wir haben – das Alpha und das Omega“, „zur Freiheit und zur Sonne“, sowie das obligatorische „Ich danke für meine Worte“ mit einem dreifach donnernden „Horrido“.

OS
 



Was hat es mit dem „Emsbürener Kreuzweg“ auf sich?

 

Es gab noch Zeiten in Emsbüren, da musste man nicht lange suchen, um eine Kneipe zu finden. Es gab an der Strecke von der Kreuzung an der Ecke Bahnhofstraße/Hanwiesche Straße bis zum Hotel Evering auf ca. 650 Metern vierzehn Kneipen. Eine lag etwas abseits auf dem Kirckplatz, die Gaststätte van Lengerich (Plog-Bernd), also insgesamt fünfzehn Gaststätten im Dorf.
Wenn es nun den Bürschkern in den Sinn kam, mal wieder einen Kneipenbummel zu machen, so traf man sich auf der Kreuzstraße und ging dann zu Plagge gen. "Ackermann". Hier ging es dann los, ähnlich dem "Pfingstbuche Einholen".
Nur bei diesem Gang durften dann auch die Verheirateten mitgehen. Der Weg war schwer, nicht nur weil es bergauf ging, sondern weil der Alkoholspiegel zuerst langsam, dann aber rasend schnell anstieg. Der Abstand zwischen den Kneipen wurde immer geringer.
Die Bürger, die diese armen „Jünger“ sahen, sprachen dann vom „Bürschker Kreuzweg“: Nu bett't se wehr den Krüsweg, hieß es dann oft. Wie schwer müssen es wohl unsere Vor-Vorfahren gehabt haben? Bei ihnen hatte dieser Weg noch mehr Stationen!
Davon mehr unter: "Olle Kespel Treffs".

(HH)


Die 15. Emsbürener Gaststätten bis etwa in die 50er Jahre:

       
 1.Bahnhofstraße: Plagge,  2. Dalhok: Sabel, 3. Egbring (Witten),  4. Brennerei Kuipers,  5. van Lengerich

       
 6. Sager,  7. Papenstraße: van Lengerich, 8.Kreuzstraße: Hungeling , 9.Uphok: H.Hölscher, 10. Lange Straße: Hölscher
 
  
  11.Kamphues, 12. F. Hölscher,  13. Barkeling, 14. Hotel Möller, 15. Evering

 
 


Ist der Ort Emsbüren tatsächlich vom Ortsteil Berge "umzingelt" und steht die St. Andreas-Kirche auf "Bergler Grund"?

Oder anders gefragt: Warum sind Berge und Emsbüren so durcheinandergewürfelt?

Vor langer langer Zeit gab es rund um Emsbüren viele Ländereien, die nass und unwirtschaftlich waren, sie hatten keinen ansässigen Besitzer. So entschloss man sich, diese Ländereien nutzbar zu machen.
Jeder Bürger aus Emsbüren und jeder Landwirt aus Berge (Berge bestand aus kleinen und größeren landwirtschaftlichen Betrieben) bekam ein Stück von diesem Boden.
Bis in die heutige Zeit bekannt: Die Gula (Gebiet im Bereich Berge / Drievorden) wurde aufgeteilt.

Emsbürener Bürger, die von ihrem Geschäft leben und mit der Landwirtschaft nichts anfangen konnten, haben die Grundstücke an den Nachbarn oder Freund verkauft. Diejenigen, die das Land bearbeiteten, schafften sich Vieh an:
So entstanden die sogenannten Ackerbürger.

Bis in die 50er Jahre wurde in vielen Häusern noch Vieh gehalten und auch heute kann man an einigen Häusern noch das Dielentor erkennen.

Die Ortszugehörigkeit des Grundstückseigentümers bestimmte auch die Ortszugehörigkeit seiner Flächen: Es entstand dadurch mit der Zeit ein „Flickenteppich“ der Orte Emsbüren und Berge. Auch Verkäufe und Vererbungen haben im Laufe der Jahrhunderte sicherlich weiter dazu beigetragen.

Die aktuelle Flurkarte gibt einen Überblick vom heutigen Zustand der Ortsteile, wobei Berge sicherlich über viele „Enklaven“ rund um Emsbüren verfügt, den Ort jedoch nicht umzingelt (mit nur einem Ausweg über die Mehringer Straße...) wie es im Volksmund gerne behauptet wird.
 

Aktuelle Flurkarte der Gemeinde Emsbüren:
Gelb: Emsbüren
Rot: Berge
Grün: Leschede
Blau: Mehringen

Zum Vergrößern bitte anklicken !

Auch die Emsbürener Bürger verfügen über zahlreiche Flächen im Ortsteil Berge.

Die St.-Andreas-Kirche ist als Mittelpunkt des Ortes Emsbüren keinesfalls „auf Bergler Grund“. Hierbei scheint es sich um einen hartnäckig gehaltenen Mythos zu handeln, welcher immer wieder zu hören ist.
Auf "Bergler Grund" sind jedoch der Friedhof samt Friedhofskapelle ("Schmeings Kämpken").

Es soll an dieser Stelle ebenfalls positiv betont werden, das die Orte Emsbüren und Berge auch in vielen anderen Bereichen eine enge Verbundenheit haben (z.B. Kindergarten, Schule, Kirche, Schützenplatz uvm.).

(HH / OS)

 




Warum gibt es in Bürn zu Pfingsten den Schützenfestmontag und den Pfingstmittwoch?


In früheren Zeiten wurde in Emsbüren das Schützenfest schon immer am Pfingstdienstag gefeiert. Am Samstag vor dem Pfingstfest wurde von den Junggesellen die Pfingstbuche geholt (siehe Bericht über die Pfingstbuche in "Sitten und Gebräuche").
Die Pfingstbuche musste dann am Mittwoch zurück gebracht werden. Dabei wurde auch schon mal einer über den Durst getrunken. Der Geistlichkeit ging das zu weit und so wurde der Pfingstmittwoch aufgegeben.
Dafür feierten die Emsbürener Bürgerschützen den Pfingstmontag und nannten ihn fortan „Schützenfestmontag“. Am Montag war im Dunkern (Festplatz im ortsnahen Eichenwald) Musik und Tanz in geselliger Runde.
Es gab dann ein Flatternschiessen. Ein Strahlenkranz aus Eisen wurde an der Vogelstange befestigt und abgesägte Baumscheiben mit einem Durchmesser von ca 5-8 cm wurden befestigt. Man schoss mit dem Kleinkaliber nach diesen Flattern. Es war als Übungsschießen für den Pfingstdienstag gedacht.
Da man die Pfingstbuche aber immer noch einholte, aber nicht zurück bringen durfte, haben die Schützenbrüder auf einer Versammlung im Jahre 1948 das Zurückbringen wieder eingeführt.
„Gott sei Dank“

(HH)

Der "Pfingstmittwoch" hat in Emsbüren eine Art Kultstatus erreicht,
hier Impressionen aus dem Jahr 1980.

Anmerkung: Der "Herzog und sein Kumpan" traten bereits 1980 am Pfingstmittwoch des Bürger-Schützenvereins auf !



     
 

Wo ist in Bürn der "Hagen" und wer sind die "Hagensianer"


Das Wort Hagen bedeutet laut Wikipedia  "Eingefriedete Siedlung". Ebenfalls kommt es als Vorname, Hausname,  Mondkrater, Städtename oder als Ortsteilname in fast allen Bundesländern vor.   
So auch in Emsbüren. Der Hagen ist ein Teil Emsbürens, eingegrenzt durch die Josef-Tiesmeyerstrasse,  Schützenstrasse, Dunkernpättken, Hanwieschestrasse,  Bahnhofstrasse mit den Häusern: Mehrfamilienhaus, Darpel, Barkmann, die Häuser an der Strasse Im Hagen, bis zur Richthofstrasse.  Der Hagen besteht aus dem Osteresch mit den Unterbezeichnungen: Die lange Fuhr, die Querfuhr und die kurze Fuhr. Des Weiteren gab es den Neuen Kamp, die Heumathe, die Kuhmathe, den Hagen und den Achterhagen sowie den Bickbeerenhagen. Die Bezeichnung Mathe sagt an, dass es sich um eine feuchte Landschaft handelt. In früheren Jahren war die Mathe Allgemeingrund, auf dem jeder sein Vieh weiden lassen konnte. Diese Gebiete gehörten später zum Besitztum der Vögte und somit auch zum Richthof. So ist auch zu erklären, dass die meisten Flächen im Hagen ab 1834 zum Hof Caffier gehörten.

Die Einwohner im Hagen nennen sich die „Hagensianer“. Es ist ein ganz besonderer Schlag, denn sie halten zusammen wie Pech und Schwefel, feiern ihr eigenes Fest: Das Hagenfest mit dem Schlachtruf Ha,Ha-gensia. In früheren Zeiten entwickelte sich zwischen den Bürschkern und den Hagensianern immer zu Ostern eine Rivalität: Wer hat das größte Osterfeuer? Manch ein Hagensianer nannte den Hagen wegen seiner Lage auch Hagen-Krim. Die Bürschker hatten natürlich auch ihren eigenen Spruch: "Wat gifft in'n Hagen? Kien Köstken Broat, dulle Wiewer un knöttrige Blagen!"
In der  Bahnhofstrasse war jedes Haus von Albers/Leveling bis Sabel ein Geschäftshaus. Originale gab und gibt es im Hagen immer. Ein Paar Namen: Pöttkers Opa, Pöttker-Heine, Meiner-Bernd, Missi, Beck-Jan, Wähnings-Bub….



 
 

  Was ist ein Poahlbörger?
 

Um das Wort "Poahlbörger" zu erklären muss man wohl einiges klar stellen. Der Poahl - also der Pfahl - hatte schon immer eine besondere Bedeutung. Zur Bestimmung eines bestimmten Ortes oder Mittelpunktes schlug man einfach eine Poahl in den Boden. Jedermann wusste nun: Hier ist etwas Besonderes. Ebenfalls gebrauchte man die Pfähle zum Einzäunen von Feldern und Weideflächen. Eine ganz besondere Bedeutung erlangte der Pfahl in unserem Kirchspiel. Zu Zeiten des Richthofes gehörten auch Rechte und Pflichten zum Hof, benannt als Go- und Freigericht.
Das Gogericht unterstand dem Bischof von Münster. Im Jahre 1319 übertrug der Bischof es dem Grafen von Bentheim als Gegenleistung für ein Darlehen. Die dem Bischof hörigen Leute unterstanden dem Freigericht des Richthofes. Nun kommen sie wieder ins Spiel: die Pöhle. Der Gerichtsbezirk war eingegrenzt durch Pfähle. Diese standen in Leschede Dille, Ahlder Sundern, Ahlder Landwurt bis zur Bernter Landwehr. Die Grösse des Gerichtsplatzes war durch einen Pfahl festgelegt. Der Platz war so groß wie ein an einem Pfahl angebundenes Pferd im Umlauf erreichte.

Im Kirchspiel gibt es ca. 10 000 Einwohner. Dabei handelt es sich um Einheimische, Zugezogene und eben Poahlbörger. Einheimische sind die, die hier schon immer gewohnt haben. Zugezogene sind die, die von woanders nach Emsbüren gekommen sind und hier eine neue Heimat gefunden haben. Aber Poahlbörger sind die, die.... aber gehen wir doch einmal in die Vergangenheit zurück:

In früheren Jahren gab es in Emsbüren noch kein Krankenhaus. Erst am 04. Mai 1893 vermachte Elisabeth Bertling, geb. van Werde, ihren Grundbesitz, ein Wohnhaus und ein Kapital von 8000 Mark testamentarisch der katholischen Kirchengemeinde Emsbüren mit der Auflage ein Krankenhaus zu errichten. Frau Bertling wurde am 05. Dezember 1817 in Dalver, Kreis Bersenbrück, geboren. Sie war verheiratet mit dem Arzt Dr. Anton Bertling, der von 1840 bis zu seinem Tode 1877 in Emsbüren wirkte. Ihre Ehe blieb kinderlos. Sie starb nach langer Krankheit mit 79 Jahren am 23. Mai 1897. Wegen der zu erwartenden Bau- und Unterhaltungskosten nahmen der Kirchenvorstand und die Gemeinde Emsbüren am 01 Juli 1897 erst nach langen Überlegungen die Schenkung der Arztwitwe einstimmig an. Das Krankenhaus wurde gebaut. Heute ist aus dem Krankenhaus ein Pflegeheim mit betreutem Wohnen geworden (siehe Bericht unter besondere Ereignisse).

Wenn jemand in Emsbüren geboren wurde, sei es zu Hause oder im Krankenhaus, so war er ein Poahlbörger. So geschah es, dass die Kinder Poalbörger wurden, Vater oder Mutter es nicht waren, da sie von einem anderen Ort nach Emsbüren gezogen sind. Aus Spass wurde den Eltern gegenüber manchmal geäußert: "Was willst du denn, du bist ja kein Poalbörger!"
Er war eben im Mittelpunkt geboren und somit ein Poalbörger. Durch den Wegfall des Krankenhauses und der Geburten in den Krankenhäusern der Umgebung gibt es sie also kaum noch:
Die Poahlbörger.

H.H.

 



Wer war die "Naistertante" und was sind "Kloasperdkes"?


Der Nikolaus und die Spekulatius oder: De Naisterstante

In früherer Zeit gab es viele Näherinnen, nicht zu verwechseln mit den Schneidern. Sie nähten entweder zu Hause oder bei Familien, die sie gerufen hatten. Die komplette Wäsche wurde geflickt und neu vernäht. So blieb sie dann auch schon mal ein paar Tage bei den Familien. Man nannte sie „De Naisterstanten“

Von einer ganz besonderen Naisterstante weiß Anni Veerkamp (Mülders Anni ut'n Hagen) zu berichten:

In einem kleinen Haus zwischen Schludde und Mülder wohnte auch eine Näherin. Nur bekannt als Naisterstante (heute wäre das zwischen Bussmann und Mülder)

Einmal in der Woche fuhr die „Naisterstante“ per Bahn in die Stadt, um Kurzwaren (Knöpfe, Reissverschlüsse, Druckknöpfe u.s.w.) zu kaufen, die es in Emsbüren nicht gab. Vorher fragte sie in der Nachbarschaft,ob sie etwas mitbringen sollte. Denn so manche Dinge gab es auf dem Dorfe nicht und wann kam man schon mal in die Stadt? So fragte sie auch die Frau des Dr. Lohmann. Diese hätte gern ein paar Spekulatius. Was Spekulatius waren wusste die „Naisterstante“ nicht und fragte ihre Nachbarin, Frau Mülder:

„ Du Kathriena, wees du wat Spekulatius bint“? „Nee, dat weed ick ok nich“.

So ging die Schneiderin als erstes in ein „Kurzwarengeschäft“ und besorgte das was sie gebrauchte und fragte dann nach besagten Spekulatius. Mit einem leichten Schmunzeln schickte man sie zum Bäcker. Sie erhielt die Spekulatius. Zurück in Emsbüren war der erste Weg zu Kathriena Mülder: „Weeste wat Spekulatius bint? Dat bint Kloaspeerdkes.“


HH
 








 


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