Das "sagenhafte" Emsbüren

 

Inhalt

Einleitung
Zwerge, Aulken, Honneken
Steinkreuze
Der Mehringer Wald
Klusen
Steingräber

 


Einleitung


Sagen, Märchen und Schwänke aus früheren Zeiten haben häufig einen direkten Bezug zum heimischen Umfeld. Sie waren beliebte Erzählthemen, die bei den Kindern und Heranwachsenden zumeist einen tiefen Eindruck hinterließen - wohl auch, weil sie Unheimliches berichteten.

Insbesondere in der Nachkriegszeit fehlten passende Unterrichtsmaterialien, weil die Schulbücher aus der Nazizeit eingestampft worden waren. Deshalb haben die Schulmeister aus dem Altkreis Lingen eigene Arbeitshefte entworfen, die sich damals großer Beliebtheit bei den Schülerinnen und Schülern erfreuten.

Auch dort wurden viele der überlieferten Erzählungen vorgestellt. Diese sind in den Erinnerungen der heute über 60jährigen noch sehr präsent. Ein ganz besonderer Kenner dieser heimischen Literatur ist Hubert Hölscher. Er kann aus dem Stand abendfüllend berichten..

Die nachfolgenden Aufzeichnungen stammen aus seinem Erzählschatz.

BR
 





Zwerge, Aulken, Honneken

 

Zwerge im Emsland

 

In den Emslandsagen ist auch vielfach die Rede von Zwergen (Aulken, Honneken), die die unterirdischen Reiche beherrschen und sich wunderbarer Kräfte und zauberischer Mittel bedienen und oft durch Lug und Trug den Menschen Schaden bringen. Sie schaffen in ihren Höhlen treffliche Waffen und stellen zierlichen, kunstvollen Schmuck her. Diese Züge deuten mit größter Wahrscheinlichkeit auf Menschen hin, die als Urbewohner des Landes vor unseren Vorfahren in Höhlen und anderen Schlupfwinkeln Zuflucht gesucht haben. Sie blieben als Bergleute in ihrer alten Heimat, arbeiteten in Stollen. Wo sie nur konnten, suchten sie der Gewalt ihrer Unterdrücker mit Schlauheit und List entgegenzutreten und sie zu übervorteilen. So schuf die Phantasie aus den kleinen, rußigen Gesellen der Unterwelt jene Kobolde, vor deren Kunst und Tücken sich die Menschen hüten mussten.

Erst als das Christentum zu unseren Vätern kam, da schwand neben dem Glauben an Drachen und Riesen auch der an die Zwerge. Da sind sie fortgezogen, die Zwerge. Sie konnten das Geläute der Kirchenglocken nicht ertragen. So meldet die Sage.

 

Die ersten Aulken

In alter Zeit, da noch der Herrgott auf Erden wandelte, lebte im Emsland eine Frau, die hatte zehn Kinder; davon waren fünf schön, die anderen fünf aber hässlich wie die Nacht.

Als eines Tages der Herr in ihr Haus trat, schickte die Frau die hässlichen schnell in den Keller, dass er sie nicht sehen sollte. Wie der Herr ihre Kinder vor sich kommen hieß, waren es nur fünf, und er fragte, wo die anderen seien. Da sagte die Mutter:

„Weiter habe ich keine, das sind die Kinder alle.“

Dann segnete der Herr die Kleinen und sagte:

„Wat unner is, schall unner bliewen; wat baowen is, schall baowen bliewen.“

Wie erschrak die Frau, als sie die Worte hörte! Als der Herr endlich fortgegangen war, eilte sie in den Keller, weil das Gewissen sie plagte. Aber so viel und laut sie auch rief, die hässlichen Kinder hatten sich unsichtbar gemacht, und nur selten hat man sie je wieder zu Gesicht bekommen. Kleine Gesellen sind sie geblieben, knapp eineinhalb Fuß hoch, und nur bei Nacht kamen sie hervor, wenn sie Hunger hatten. Das waren die ersten Zwerge oder Aulken, wie sie im Emsland genannt wurden. Sie trugen schwarze Kleidung und auf dem Kopfe eine rote Zipfelmütze.

Die Aulken im Emsland

In alten Zeiten wohnten im Emsland Zwerge. Sie hießen die Aulken und wohnten in den Sanddünen an den Ufern der Ems. Meist kamen sie nur nachts aus ihren Höhlen, stahlen Gemüse und Korn von den Äckern und melkten in den Ställen der Bauern die Kühe aus. Sie konnten sich meist unsichtbar machen, waren geheimer Zauberkünste kundig und deshalb bei groß und klein gefürchtet.

Eines Tages pflügte ein Bauer in der Nähe der Emsdünen. Da hörte er den Ruf:

„Aulken to Bree!“ (Zwerge zum Frühstück).

Der Bauer schaute sich um und sah an der Düne einen winzig kleinen Mann stehen. Dem rief er zu: „Mi´n Napp vull met!“ und pflügte weiter. Als er an die Stelle zurückkam, sah er in der Furche einen kleinen Napf mit warmen Roggenbrei stehen. Er schmeckte vortrefflich. Da meinte der Bauer, er müsse doch auch wohl bezahlen, fand aber in seiner Tasche nur einen alten längst außer Kurs gesetzten Pfennig. Den warf er in den Napf und pflügte weiter. Als er sich wieder der Stelle näherte, sah er wie das Männchen den Pfennig genau betrachtete, ihn dann aus dem Napf schüttelte und sich mit dem Ruf entfernte: „Das ist dein Glück gewesen!“ Der Bauer nahm den Pfennig wieder auf und sah, dass er auf der Rückseite ein Kreuz trug. Das hatte den Aulken verscheucht.

Die Heidemännchen

Da war einmal ein Mann, der hatte viel Unglück gehabt. Eine Kuh war ihm gestorben, der Sturm hatte ihm das Dach seines Hauses auseinander gerissen, ein fettes Schwein hatte die Seuche bekommen und musste geschlachtet und begraben werden. Zweimal hintereinander hatte er wenig geerntet, da es einen trockenen Sommer gegeben hatte. So war er denn tief in Schulden geraten. Er und seine Frau arbeiteten, so viel sie nur eben konnten, und sparten sich jeden Pfennig vom Munde ab, um etwas abbezahlen zu können. Aber es fiel ihnen doch sehr schwer, denn die Hofstelle war klein, und der Kinder waren viele.

Da wurde eines Tages zu allem Unglück auch noch die Frau krank, und nun kamen erst recht schlimme Zeiten und große Sorgen. Verwandte hatten sie nicht. Die Nachbarn standen ihnen wohl bei in ihrer Not; aber sie waren selbst arm und konnten nicht viel tun. Und als die Frau nach vielen Jahren vom Krankenlager aufstand, da war die Not aufs höchste gestiegen. Nun drängten auch noch die Gläubiger den Mann und drohten, ihm alles verkaufen zu lassen, wenn er nicht bezahle. Da wollte ihm das Herz vor Angst und Sorgen fast brechen. Und eines Nachts, als alle schliefen, da litt es ihn nicht mehr im Bett und im Hause. Er ging im Mondschein hinaus auf die Heide und warf sich auf die Erde nieder und weinte.

Nicht weit von ihm war ein kleiner Hügel, in den eine Höhle hineinführte, die wie ein Fuchsloch aussah. Da kamen mit einem Male Männchen aus der Höhle heraus, die hatten lange Stiefel an und ein Wams von rotem Tuch, auf dem Kopfe einen Hut, der aus Heidekraut gemacht war, und um die Hüften einen breiten Gürtel. Dabei waren die beiden kaum einen Fuß hoch. Sie gingen einige Schritte in die Heide hinein, legten ihre Gürtel ab und fingen an, miteinander zu spielen. Sie kugelten sich auf der Heide, sprangen übereinander und tollten wie ein paar Buben. Der Mann stand leise auf und nahm die Gürtel in die Hand. Da sah er, dass sie ganz von Gold waren, und steckte sie heimlich in seinen Rock. Als die Heidemännchen mit dem Spielen aufhörten, wollten sie ihre Gürtel wieder umbinden. Aber soviel sie auch suchten, sie konnten die Gürtel nicht finden.

Da sahen sie den Mann und fingen an zu weinen und zu bitten, er möge ihnen doch die Gürtel wiedergeben, weil sie sonst sterben müssten. Sie seien Heidemännchen und dürften bloß nach Mitternacht einige Stunden auf der Heide spielen. Sonst wären sie tief unten in einer großen Höhle. Die wäre wohl sehr schön, aber nicht so schön wie die Heide und der Mond. Der Mann entgegnete:

„ Die Gürtel kann ich auch gebrauchen. Ich muss Geld haben, sonst kommen wir daheim alle ins Elend.“ Da versprachen sie ihm einen großen Klumpen Gold, wenn er ihnen die Gürtel wiedergeben wollte. Auf diesen Handel ging der Mann ein. Einer von den kleinen Kerlen lief sofort in die Höhle. Und es dauerte kaum eine halbe Stunde, da kam er wieder und rollte einen Ball vor sich her, der war wohl so dick wie zwei Fäuste und ganz schwer. Er funkelte nur so; jeder konnte gleich sehen, dass er aus reinem Golde war.

Da gab der Mann den Heidemännchen die Gürtel wieder und ging froh nach Hause. Seiner Frau und den Kindern sagte er nichts. Am anderen Tag aber zog er seinen guten Rock an und ging in die Stadt. Dort verkaufte er das Gold und bekam so viele Taler dafür, dass er sich eine Karre kaufen und das Geld nach Hause schieben musste, - einen ganzen Sack voll. Das war ein Jubel, als er nun heimkam! Da bezahlten sie alle ihre Schulden und behielten noch so viel, dass sie leben konnten, wie sie wollten.

 

Auszug der Aulken

Als sich im Emsland das Christentum ausbreitete, da entschlossen sich die Aulken zur Auswanderung. Eines Abends erscholl überall, wo Aulken wohnten, ein klägliches Geschrei: „ Ike Ake is dood!“ Wer Ike Ake war, weiß man nicht; aber sofort rüsteten die Aulken zum Aufbruch. Sie zogen nach Norden und wollten sich bei Dörpen übersetzten lassen. Im Mondschein hörte der Fährmann vom Dörpener Ufer die Stimme eines Männchens: „Hoal oaver!“ Der Fährmann wollte mit dem Boot kommen, aber das Männchen rief: „ Pünte met brengen!“ Aber am Ufer sah der Mann nur einen Zwerg, in dem er zu seinem Schrecken einen Aulken erkannte. Der Aulk betrat die Pünte, aber hinter ihm trippelte es hundertfach. Nur mit Mühe konnte der Fährmann die Pünte an das andere Ufer bringen. Der Aulk verlangte den Hut des Mannes, den dieser am Ufer aufstellen sollte. In den Hut warf der Aulk als Fährgeld ein Kupferstück, und dann regnete es von unsichtbarer Hand so viele Kupferstücke, dass der Fährmann seinen Hut zweimal leeren musste. Seit dem hat niemand mehr etwas von den Aulken gesehen

 


 

Steinkreuze

 

Steinkreuz Mönch-Tegeder, Mehringen

Die Sage berichtet über diesen Stein in Kreuzesform folgendes: Seit vielen, vielen Jahren ging der Hausherr Tegeder mit seinem Gesinde zur Christmette. Auf dem Hofe blieben nur einige Hüter zurück. Als die zur Kirche Eilenden eine kurze Strecke zurückgelegt hatten, bemerkte die Bäuerin, dass sie ihr so sehr geschätztes Gebetbuch vergessen hatte. „Gaot füste wieder, ick haal min Book un bin baole wer bi ju“. Sie erreichte die Ihrigen nimmer wieder. Zwei Mörder töteten die fromme Frau, um ihren schönen goldenen Filigran-Halsschmuck zu rauben. Am Tatort, ganz nah der Kreuzung des Kirchweges des alten Kolonats Tegeder, heute Mönch in Mehringen, mit der münsterischen Heerstrasse, den Napoleondamm, wurde der Gedenkstein errichtet. Bis 1960 stand der Kreuzstein in der Nähe des Napoleondammes. Er wurde auf Grund landwirtschaftlicher Nutzung des ursprünglichen Standortes zur Straße „Zum Emswehr“, unweit des Mönch-Tegeder´schen Kreuzes, umgesetzt. Der obere Kreuzbalken ist von der Schaufel des Plaggenstechers und der Axt des Holzhauers ganz abgeschabt worden.

Über den verschwundenen oberen Kreuzbalken ist eine Sage entstanden:

Zur Nacht vernimmt man ein Ächzen und ein Stöhnen. Gar nichts ist zu sehen als der graue, moosbewachsene Kreuzstein. Aber man weiß, dass jene Wegelagerer im Grabe nicht eher Ruhe finden, bis sie dieses Zeichen ihrer Schande zerstört haben. So haben sie mit ihren Zähnen den oberen Kreuzbalken bereits abgenagt.

 

Steinkreuz Roling, Leschede

In Leschede befindet sich in den so genannten Hellbergen, 10m rechts der L40 von Emsbüren nach Lingen, ein Steinkreuz. Es steht auf einer kleinen Geländeerhebung in der nähe des Besitzes Roling und ist bis zum Querbalken in den Boden versunken. Dieses Steinkreuz wird ebenso wie jenes in Bernte zur Familie Imming in Beziehung gebracht. Von den drei Söhnen, die alle auf seltsame Art umkamen, war der Tod des Erben am tragischsten. Feindliche Krieger raubten ihm sein Pferd.

Er lief ihnen nach und holte sie in der Nähe Emsbürens wieder ein. Er glaubte, das Pferd wiederzubekommen, wenn er sich als Knecht des beraubten Herrn ausgäbe. Aber er wurde dadurch verraten, dass „Schmeing-Hürms“ Frau ihn mit Namen ansprach. Die wütenden Soldaten bereiteten ihm einen grausamen Tod: Sein Leib wurde von acht Pferden zerrissen. (Foto: A.Bültel)

 

Kreuz in Schulten Tannen, Bernte

Zum Ende des „Dreißigjährigen Krieges“ lebten im Haus Imming zu Bernte drei Söhne, von denen der eine allgemein als Schnellläufer bekannt war. Dieser ästete Stufeneichen auf der so genannten Roggenwiese aus, als ihn feindliche Reiter des Weges nach Lingen befragten. Da er glaubte, schneller laufen zu können, antwortete er nur: „ Nase nach!“ und wandte sich den Sandbergen zu. Etwa 500 Meter lief er und erreichte fast das rettende Gehölz, da stolperte er über eine Baumwurzel, und der zornige Reiter durchbohrte ihn mit der Lanze. Das Kreuz befindet sich in den Wächterbergen von Emsbüren in Richtung Lingen, Höhe der Grenze zu Elbergen, ca. 300m links der L 40 in Schulten Tannen. Der Besitzer ist Imming in Bernte. Das Kreuz ist aus Stein.


Mehringer Steinkreuz, (umgesetzt, heute an den Hünensteinen)

Ein weiteres Steinkreuz steht unweit der Mehringer Windmühle im Robelschen Tannenwald zwischen der Eisenbahn und der Mehringer Landstraße. An dieser Stelle haben zu Beginn des 18. Jahrhunderts zwei Schäfer um eines Schafes willen Streit bekommen und in ihrer Wut so lange aufeinander eingeschlagen und gestochen, bis beide dort sterbend liegen blieben. Das Kreuz ragt 0,66 m aus dem Boden heraus, während der Querbalken 0,76 m misst.
(Foto: Alfred Bültel)

 


Dat kruse Böömken“ auf dem Sunderhügel (Ahlde)

Die drei Kreuze auf dem Sunderhügel

Wer in alten Zeiten von Westfalen über Salzbergen und Emsbüren zu den Vieh- und Wollmärkten oder zur Hochschule nach Lingen emsabwärts auf schmalen Pfaden zwischen Moor- und Grasbrüchen wanderte, der hatte nichts als den unendlichen Himmel über sich und das tafelförmige Heideland vor sich. Weder Busch noch Strauch erleichterten ihm sein Ringen mit dem Raum.

 

Ungefähr auf der Mitte der langen Strecke griff auf dem Sunderhügel eine vielhundertjährige Eiche mit krausem Astwerk in Wind und Wolken und wies dem Wanderer mit zerbrochenen Armen die Wegerichtung. Alle Schäfer und Bauern, die auf die Heide liefen und auf den Bodenerhebungen ringsum saßen, kannten sie von frühester Kindheit her, und seit undenklichen Zeiten hieß sie bald bei jung und alt „De kruse Eike“ oder auch wohl „Dat kruse Böömken“.

In der Krone juchute nachts die Mooreule, am Stamm verspeiste Meister Reineke seine Opfer, und unter dem Wurzelwerk, das sich weit ausladend in den braunroten Sand krallte, barg der Teufel seine Schätze. Keiner hatte ihn je gesehen, aber eine alte Sage behauptete es so, und jeder glaubte es.

Wenn in schwülen Sommernächten die Grummeltürme aufstiegen oder im Osten das Licht aufging, dann blickte der Teufel mit seinen giftgrünen Bolzenaugen aus dem Wurzelwerk den „krusen Böömkens“ scheu um sich, ob etwa Wanderer vorbeikämen, und ließ aus der Krone geheimnisvolles Licht aufleuchten. Nach solchen Nächten hieß es allgemein auf den Höfen: „ Bie de krusen Eike brannt dat Licht weer!“ Wenn die Alten dies sagten, bekamen die Kinder große Augen, und die Mannsleute sahen mit innerer Erregung ganze Bülte von Golde und Gulden vor sich, denn der Teufel - so erzählte man – schöbe in solchen Nächten all sein Gold an die Oberfläche und zähle am Heidehang Gulden und immer wieder Gulden. Die „Heuperdekes“ tanzten unterdes Ringelreihen um den Geizkragen bis zum Morgen, wenn mit dem ersten Licht Spuk und Spiel wieder verschwunden waren. Schon manchen hatte man nicht wieder gesehen, der in der Gier nach dem Teufelsgold dem Irrlicht nachgegangen war.

Eines mürrischen Sonntags nun wanderten drei wilde Studenten über Rheine und Salzbergen nach Lingen zur dortigen Universität. Der eine trug rotes Haar der andere braunes und der dritte schwarzes. Sie sangen ein freches Lied über die rote Heide, dass sich selbst Tütwelp und Lerche

schämten. Als jedoch der Teufel die Verse hörte, kicherte er in sich hinein und warf eine Braupfanne voll Gold nach oben.

Als der Rote, der Braune und der Schwarze herbeikamen, glänzten ihre Augen, und sie griffen mit Gierfingern nach den vielen Stücken. Dann legten sie sich ins Heidekraut am Stamm des krusen Böömkens.

Der Rote sprach: „Rot ist das Gold, rot ist der Branntwein. Wir haben´s ja, da mag der Henker mit trockener Kehle dasitzen. Lasst uns Branntwein, Branntwein holen!“ Da lief der Braune schon durch Brahm und Ried, dem goldknöpfigen Rainfarn vor den Emsbürenern Stoppelfeldern entlang, zur nahen Brennerei in Emsbüren. Der Rote und der Schwarze hüteten unterdes das Gold.

Ein Rabe kreiste über ihren Häuptern und sah nach den Galgengesichtern. Der Rote flüsterte im Jubelton: „Schwarz ist der Rabe, schwarz ist das Grab! Wir hängen den Braunen an die Eiche, dann kann jeder eine Halfscheid kriegen!“ Als sie den Plan zu Ende berieten, kam der Braune zurück.

Er sah am Wall einen giftigen Pärrenstaul (Fliegenpilz) stehen und dachte: „Rot ist der Branntwein, rot ist das Gift! Sauft ihr beide davon, so werdet ihr bald die Augen verdrehen, und alles Gold ist dann mein.“ Er tat das Gift in die Flasche und ging weiter.

Aber als er ankam, griffen ihn der Rote und der Schwarze, und bald lag er tot unter dem Sand. Sie tranken dann hitzig das rötliche Nass und sanken schläfrig zu Boden. Als die Nacht mit ihrem Grauen und Irrlichtern über die Heide stieg und aus den Grummeltürmen feurige Schlangen grollten, hob der Teufel die Bolzenaugen aus dem Wurzelwerk des krusen Böömkens und holte das Gold und die goldgierigen Bachanten in sein Reich. (Fotos: Alfred Bültel)

 

Die drei Kreuze ( Sunderhügel)

 

Der Mond scheint helle, die Nacht ist kalt;

drei Räuber lagern tief im Wald.

Ringsrum geschichtet ist Geld und Gut,

ein wüst Gewirr, besudelt mit Blut.

 

Sie teilen Raub in Streit und Zank;

sie tragen Begehr nach Speis´ und Trank.

Den Jüngsten drum entsenden sie bald,

der holet Speis´ und Trank in den Wald.

 

Unheimlich flüsterten lang die zwei;

da keucht der dritte Mann herbei,

für sie beladen mit Wein und Speis´.

Ihm rinnen vom Haupte die Tropfen heiß.

 

Und nieder setzt er die Last zur Erd,

als ihm ein Dolch in den Nacken fährt.

Im Dickicht liegt er erschlagen schon;

sein Raubteil teilen die zwei voll Hohn.

 

Sie tafeln, indes sie sorglich schau´n;

wohl möchte keiner dem anderen trau´n.

Zu spät! Sie hielten ihr Totenmahl:

mit Gift gewürzt der Weinpokal!

 

Der Mond scheint helle, die Nacht ist kalt.

Drei Kreuze stehen tief im Wald.


 


 

Der Mehringer Wald

 

 

Rote Flecken an der Ems

 

Beim Emsbrückenbau in Salzbergen musste 1865 die einzige Eiche, die am Ufer stand, gefällt werden, um für die Brücke Raum zu schaffen. Viel früher hatte an dieser Stelle ein Weidenbusch gestanden. Die Passanten der Emsfähre ruhten oft im seinem Schatten aus.

An einem heißen Sommertage lagerten auf der einen Seite des Busches zwei junge Männer, und auf der anderen hatte sich ein Handelsmann niedergelassen. Dieser fing an, sein Geld zu zählen und mit ihm zu klimpern. Die jungen Leute auf der andern Buschseite wurden von Habgier gepackt, erschlugen den Kaufmann, nahmen sein Geld, warfen seine Packen in die Ems und verscharrten den Leichnam unter dem Weidengebüsch. Als die Mörder den Mann umbrachten und dieser mit zum Himmel erhobenen Händen um sein Leben flehte, erhob sich eine Kette Wildenten aus dem Emsröhricht und flog schreiend über den Weidenbusch hinweg. Sterbend hörte der Unglückliche das Geräusch und die Schreie und rief, seine Hand zum Himmel erhebend, die Tiere zu Zeugen der Tat an.---

Der Mord blieb unentdeckt. An der Stelle, wo er geschehen war, wuchs jedoch seit der Zeit ein blutrotes Pflänzchen mit dunkelroten Blüten, das man sonst am blumenreichen Emsufer noch nicht gesehen hatte. Allgemein nannte man diese Stelle nur den „Roten Fleck.“

Wenn die Kinder des Emsfährmannes gegen Abend die Pferde aus der Emsweide holten, mussten sie die Tiere mit Gewalt an der Stelle vorbei treiben. Die Pferde wieherten, bäumten sich und stampften; als wüssten sie, dass an dieser Stelle eine Untat vollbracht worden war. Der eine Mörder war inzwischen verheiratet, der andere war Knecht geblieben; beide waren alt und grau geworden. Bei den Bauern und Bürgern waren sie als brave, ordentliche Menschen geachtet.

An einem Sonntagnachmittag ging der eine mit seiner Frau am Emsufer entlang, wobei sie unversehens in die Nähe der „Roten Fleckes“ kamen. Zur selben Zeit kam der Knecht, um ein Pferd von der Weide zu holen. Beide trafen sich am „Roten Fleck“. Da kamen auf einmal Wildenten über sie hinweg geflogen und ließen sich auf dem Wasser nieder. Auf dem Rückwege trafen sich die drei nochmals am Busch. Jetzt kamen die Wildenten schreiend hoch und überflogen den „Roten Fleck“ zum zweiten Male. Bleich und zitternd standen die beiden Männer da. Die Frau aber war höchst erstaunt über ihr Benehmen. Ihr Mann wich geschickt all ihren Fragen aus; aber seit jenem Abend ging er still und schwermütig umher und mied jede Gesellschaft.

Die um die Gesundheit ihres Mannes besorgte Frau klagte dann der Nachbarin ihr Leid, wobei sie alles erzählte, was sie gesehen hatte, der Nachbarin jedoch kamen gleich böse Vermutungen. Sie erzählte alles ihrem Manne, der nun sogleich zum Bauernvogt ging. Als man in der Nähe der Busches nachgrub, fand man das Gerippe des Ermordeten. Von Gewissensbissen geplagt, gestanden die beiden Männer ihr Verbrechen, das sie vor vierzig Jahren begangen hatten. Auf dem Sunderhügel in Emsbüren sühnten sie ihre Schuld.

Zum Gedächtnis pflanzte man jene Eiche, die beim Brückenbau verschwinden musste. So hatten wie einst die Kraniche des Ibykus hier die Enten den Mord an den Tag gebracht.

 

 

Der schwarze Hund im Mahringer Wald

 

Im Walde zwischen Ahlde und Mehringen hockte zwischen Weiden- und Erlengebüsch allerhand schlechtes Volk, das sich lieber vom Raub ernährte als von ehrlicher Hände Arbeit. Auch hauste dort ein finsterer Kunde, der bis auf den heutigen Tag in der Erinnerung der Bevölkerung als der Maringer (Mehringer) Raubritter geblieben ist. Er war der Schrecken der Kaufleute und Fuhrknechte.

Mit seinem schwarzen Spürhund überfiel er die friedlich des Weges ziehenden Menschen, erwürgte sie und warf die Leichname in den Brunnen seiner Burg.

Endlich holte der Tod auch diesen Unhold. Sein Leichnam sollte nach Salzbergen auf den Kirchhof gebracht werden. Ungern sah man das in Salzbergen, aber aus Furcht vor den gewalttätigen Freunden des Maringer wagte dort keiner, Einspruch zu erheben. Je näher der Leichenwagen der Kirche kam, desto schwerer wurde der Sarg. Man versuchte, die Kirchenglocken zu läuten, aber sie blieben stumm. Angesichts des Gotteshauses waren die Pferde trotz Fluchens und Schlagens nicht mehr von der Stelle zu bringen. Nun wollten die Raubgesellen des Maringers den Sarg vom Wagen auf den Kirchhof tragen. Auch das ging nicht, er war zu schwer. Es blieb nichts anderes übrig, als umzukehren. Die Pferde zogen nun mit Leichtigkeit den Wagen wieder vor die Burg im Maringer Walde. Als das Gespann auf der Steinplatte des vorhin erwähnten Brunnens war, standen die Pferde plötzlich still, und Wagen und Sarg polterten mit Getöse in die Tiefe.

Der Teufel wollte die schmutzige Seele des Maringer nicht in der Hölle haben. Er schickte sie wieder hinaus, und sie fuhr in den großen Spürhund.

Wenn die Nebel abends aus dem Emstal aufsteigen und um die Weidenbüsche kriechen, liegt der schwarze Hund quer auf dem Wege, der an der Ems entlang von Salzbergen nach Ahlde führt, und glotzt mit aufgerissenen, roten Feueraugen den nächtlichen Wanderer an. Wer tapferen Herzen ist und ein reines Gewissen in der Brust trägt, von dem lässt er sich mit dem Fuße beiseite stoßen. Wer aber schuldbewusst dahin schleicht und furchtsam um die Büsche biegt, der setzt sich seiner Verfolgung aus und wird durch Wald und Heide gehetzt.

Der Bönnenpool bei Mehringen

In der Nähe der alten Ems liegt ein runder Wassertümpel, „Bönnenpool“ genannt. Die Sage berichtet, dass dort in alten Zeiten eine Kirche versunken ist. In der Middewintersnacht (Weihnachtsnacht) soll man noch die Glocken dieses verschwundenen Gotteshauses hören können. Nahe daran liegt ein kleinerer Waldteich, wo das Pastorat zu Grunde gegangen sein soll.

Versunken

 

Eingehegt von dunklen Tannen

liegt ein tiefer, stiller Weiher,

schaurig still, gleich einem bleichen

Angesicht im Nonnenschleier.

Einst versunken ist ein Kloster

in den dunklen Grund. Beim Flimmern

blassen Mondlichts auf dem Wasser

sieht man noch das Turmkreuz schimmern.

Und bei Nacht, wenn alles stille,

hört man leis´ und fern Gesänge

klagend aus der Tiefe dringen

und der Glocken Trauerklänge.

 

 

 

Die Burg im Mehringer Walde (1)

 

Im Mehringer Wald, nicht weit vom Hofe Hemelt, lag früher eine Burg. Heute sieht man dort nach eine Vertiefung, „Voggelpool“ genannt. Sie ist mit einem künstlichen Wall umgeben. In dieser Burg soll einst ein grausamer Ritter gewohnt haben, der alle Reisenden am Ufer der Ems auffing und tötete.

Eines Tages brachten die wilden Knechte dieses Ritters einen Mann in prächtiger Kleidung.

Auffallend waren auch seine großen Stiefel. Der Ritter befahl, den Fremden zu töten. Dieser bat um Gnade. Da rief der Raubritter: „Dir Gnade geben, hieße soviel, wie sich dem Teufel verschreiben!“ Da gab es eine gewaltigen Donnerschlag: ein Abgrund tat sich auf und verschlang die Burg. Und der Fremde, der der Teufel war, fuhr mit der Seele des Raubritters davon.

 

Die Burg im Mehringer Walde (2)

In der Nähe der Burg im Mehringer Wald war die Ems der Sage nach früher überbrückt. Der Burgherr war ein Räuber. Er spannte in tückischer Weise Fäden über die Brücke. Wenn nun Pilger oder Wanderer die Brücke passierten, berührten sie die Fäden. Diese standen mit einer Glocke in Verbindung. Sobald also die Glocke ertönte, wusste der Räuber, dass er sein schändliches Handwerk ausüben konnte.

Einst geriet nun auch ein Pilger, der von Jerusalem kam, in die Gewalt des Räubers. Im Tode verfluchte der Pilger den Mörder und seine Burg. Noch in derselben Nacht versank die ganze Besitzung mit ihrem Herrn in die Erde.

Die Schätze aber, die der Bösewicht zusammengeraubt hat, erscheinen noch manchmal in einem großen Kessel an der Erdoberfläche, von Feuersglut umgeben. Dieses Feuer hat auch ein Schäfer gesehen, als er an einem Herbstabend durchnässt des Weges kam. Er trocknete an der Glut seine Holzschuhe. Als er sie am anderen Morgen anziehen wollte, waren sie mit alten Goldstücken gefüllt.

Sollte jemand das Glück haben, jenes große Feuer zu sehen, so braucht er nur stillschweigend einen Gegenstand in die Nähe der Glut zu bringen, um einen großen Schatz zu erlangen.



Die weißen Frauen an der Ems

Vor uralten Zeiten lebten an der Ems die weißen Frauen. Sie waren von überirdischer Schönheit, in lange, weiße Schleier gehüllt und verzaubert bis in alle Ewigkeit. Oft erschienen sie den Menschen am Fluß, begleiteten sie, beschworen sie und rangen oft verzweifelt mit ihnen um ihre Erlösung.

Einst begegneten sie auch einem Bauernsohn, namens Johann. Er war abends im Nebel auf dem Wege zu seiner Braut, die er am anderen Tage heiraten wollte. Eine Strecke ging er an der Ems entlang. Als er das Ufer des Flusses verlassen wollte, da teilte sich der graue Nebel, und vier weiße Frauen schwebten auf ihn zu.

Sie nahmen ihn in ihre Mitte, flüsterten ihm zärtliche Worte zu und berauschten seine Sinne derart, dass er Braut, Hochzeit und sich selbst vergaß. Schon zogen ihn die Frauen in den Fluss. Als er schon mit einem Fuß im Wasser stand und abzugleiten drohte, kam er wieder zu sich.

Nun half ihm alles ringen und wehren nichts, dann die freundlichen, weißen Frauen ließen ihn nicht wieder los. Zuletzt aber gaben sie ihn unter der Bedingung wieder frei, dass er um Mitternacht wiederkäme. Um loszukommen, versprach er es eiligst. Da tanzten sie mit ihm die Uferböschung hinauf und ließen ihn dann frei.

Als er bei seiner Braut ankam, war diese bestürzt über sein verstörtes Aussehen. Da erzählte er ihr von seinem Erlebnis und auch von dem Versprechen, welches er den weißen Frauen gemacht hatte. Die Braut wollte ihn aber um Mitternacht nicht fortlassen, denn sie hoffte, den Bräutigam aus den Händen der weißen Frauen befreien zu können.

Aber die Liebe dieses Mädchens und der gute Wille des Bräutigams nutzten nichts. Johann hatte sich Fluch, Bann und Verfolgung der weißen Frauen zugezogen. Um Mitternacht fiel er in ein sehr heftiges Fieber, an dessen Folgen er gegen Morgen verstarb.


 


Klusen

 

Antoniusbild bei Evering, (Ahlde)

Im Jahre 1793 erbaute der Bauer Gerhard Evering laut einer Sage die Antoniuskluse. Sie befindet sich hinter dem Hof Evering in Ahlde, links vom Feldweg. Als die fünf Brüder gesund aus dem Zweiten Weltkrieg zurückkehrten, ließen die Eheleute Hermann und Agnes Evering die Kluse im Jahr 1956 renovieren. Der Künstler ist unbekannt. Die Kluse sowie die zwei Engelsfiguren sind aus Stein. Die Sage, die in dem Buch „Unsere Heimat“ aufgeführt ist, lautet wie folgt: In der Abenddämmerung eines Herbsttages trieb der Hirt des Everingbauern in Ahlde die Kühe heim. Vor der offenen Stalltür prallte die Leitkuh erschreckt zurück und wich nach der Seite aus. Auch die folgenden Tiere wagten nicht, die Schwelle zu überschreiten. Der Hirt eilte herzu und versetzte der gerade vor der Tür stehenden Kuh wütend einen Schlag mit der Peitsche, indem er schrie:“ Goa doch herin, du Düwel!“ Da erhebt sich von der Schwelle ein ganz gewaltig großer, schwarzer Hund, den der Hirt gar nicht bemerkt hat, und schleicht geradewegs über die Diele in die Küche. Hinter dem Herd lässt er sich nieder. Der Hund des Bauern, der dort liegt, ein bösartiges Tier, springt entsetzt von seinem Platz auf, kneift den Schwanz zwischen die Beine und verkriecht sich ängstlich winselnd in die äußerste Ecke der Küche. Er wagt sich nicht wieder hervor.

Die Bäuerin bereitet das Essen. Ihr werden die Augen des nie gesehenen Gastes, die voll Tücke und Bosheit funkeln, unheimlich. Der Bauer, der gerade heimkam, geht mit einem Knüppel auf das Tier los, wagt aber unter dem furchtbaren Blick des Hundes nicht, zuzuschlagen. Man versucht es mit Leckerbissen fortzulocken, es kümmert sich aber nicht darum. Man setzt sich zum Abendessen an den Tisch. Als die Magd beginnt vorzubeten, fängt das Untier an, markerschütternd zu winseln und zu heulen. Es steht auf und schleicht unruhig bald hierhin, bald dorthin. Die Magd kann vor Schreck nicht weiterbeten. Da kehrt der Hund zurück und legt sich mitten in die glühenden Kohlen des Herdes. Niemand mag mehr essen. Die Mägde flüchten in die Kammer. Dem Bauern und seiner Frau ist es, als fülle die Küche sich mehr und mehr mit Schwefeldunst. In der Angst, ersticken zu müssen, suchen auch sie die Kammer auf. Schlaf findet niemand im Haus. Am anderen Morgen liegt das Höllentier noch auf derselben Stelle. Dem Knecht gelingt es, dem Hund einen niedrigen Schlitten unterzuschieben. Aber niemand vermag das Gerät mit dem Tier wegzuziehen. Ein Pferd wird vorgespannt, dann zwei, schließlich alle drei, aber die Schleppe mit dem Teufelsvieh darauf rückt auch nicht um einen Finger breit vor. Alle sind ganz verzweifelt. Schließlich lässt man den Pastor von Emsbüren holen. Bei seinem Eintritt beginnt das Höllentier zu knurren, fletscht die Zähne, funkelt mit den Augen, speit Flammen und Rauch aus dem furchtbar geöffneten Rachen und bläht sich auf wie ein Ochs. Aber der Geistliche lässt sich nicht bange machen, schlägt das Buch auf und fängt mit der Beschwörung an. Langsam, ganz langsam beginnt nun der Böse, seinen Platz zu verlassen. Fortwährend muss der Pastor beten und das Weihwasser gebrauchen, um den bösen Geist durch die Dielentür hinaus bis auf eine Wiese vor sich herzutreiben. Da bittet der Teufel, dort bleiben zu dürfen. “Wenn dir der heiße Höllenpfuhl nicht gefällt, dann magst du fernerhin in diesem kalten Wasserpfuhl wohnen“, erlaubte der Pfarrer. Nochmals flehte der Teufel ihn an, ihn nicht für immer hier fest zu verbannen sondern ihn wieder zu den Menschen zu lassen. Ohne weiter darüber nachzudenken, gestattete ihm der Pastor, jedes Jahr um einen Hahnenschritt sich der menschlichen Wohnung zu nähern.

Viele Jahre merkte man vom Bösen nichts mehr. Die Leute sagen, sie sahen nur manchmal in der Nacht auf der Wiese ein Licht auf und ab tanzen, einen „springenden Hinken“.

Eines Abends aber hörte der Bauer Evering im Gehölz am Rande der Wiese ein furchtbares Sausen und Brausen, ein Knarren der Stämme, ein Krachen und Knacken in den Ästen, obwohl sich ringsum kein Lüftchen regte. Trotzdem war am anderen Morgen kein abgerissenes Blättchen und kein geknicktes Zweiglein zu finden. Da wusste er, dass das der verbannte Teufel getan hatte, der bereits bis an den Wald vorgerückt war.

Da ließ der Bauer schnellstens an dieser Stelle das Bild seines Namenspatrons, des heiligen Antonius, errichten. Damit wurde dem höllischen Geist eine Grenze gesetzt. Bis heute hat er nicht gewagt, sie zu überschreiten

 



Steingräber

Die Mehringer Hünensteine


Fotos: Alfred Bültel

Als an den Ufern der Ems das Evangelium gepredigt war, wünschten die Neubekehrten auch ein Gotteshaus, aber sie wussten nicht, wie und wovon sie es bauen sollten.

Da kam zum Meier in Ahlde ein merkwürdiger Gesell und erbot sich, in einer einzigen Nacht das Gotteshaus aufzubauen, wenn der Meier ihm dafür seine oder eines seiner Angehörigen Seele versprechen wolle. Falls er die Kirche vor dem ersten Hahnenschrei fertig stelle, solle der Vertrag gelten.

Der Meier war leichtsinnig genug. Ohne es zu wissen hat er eine Lauscherin gehabt, - die Frau des Hofes. In der folgenden Nacht hörten die Umwohner ein furchtbares Getöse in der Luft, und bald sahen sie durch den grauen Schleier der Nacht auf einem Hügel in der Heide ein Gemäuer sich erheben, das in riesigen Blöcken höher und höher stieg.

Da wurde die Frau des Meiers von Angst und Entsetzen ergriffen. Sie gedachte dessen, was sie am Abend vernommen hatte. Plötzlich kommt ihr ein Gedanke. Sie bekreuzigt sich, klatscht in die Hände und ruft mit weithin schallender Stimme: „Kikeriki! Kikeriki!“ Das hört der Hahn auf dem Hofe, gleich stimmt er in den Ruf ein, und bald hört man alle Nachbarhähne antworten.

Eben kommt der Teufel mit einem neuen Felsblick angefahren. Als er sich betrogen sieht, schleudert er ihn voll Wut zur Erde und reißt den unvollendeten Bau wieder ein.

Der Bauer aber heißt seit jener Zeit Hammeier (Hahnmeier); die gewaltigen, wirr durcheinander geworfenen Steine sieht man noch heute liegen.
 

Die Mehringen Hünensteine

Eine zweite Sage ist der vorhergehenden sehr ähnlich.

Ein Bauer aus Mehringen, der einen sehr weiten und schlechten Kirchweg hatte, fluchte beim Kirchgang: „Mich soll der Teufel holen, wenn ich das noch länger mitmache!“ da er diesen Fluch gerade an einer Wegkreuzung aussprach, hatte der Teufel Gewalt über ihn.

Der böse erschien auf der Stelle und versprach dem erschreckten Bauern, eine Kirche zu bauen. Als Lohn forderte der Teufel die Seele des Bauern nach dessen Tode. Der Bauer war so verwirrt und verängstigt, dass er auf diese Bedingung einging. Dann begann der Teufel zu bauen. Große Steinblöcke kamen angesaust und türmten sich vor dem Bäuerlein auf. Dieses fragte zaghaft, wann die Kirche fertig sei. Der Teufel grinste unheimlich und sagte, mit dem ersten Hahnenschrei könnte die Messe beginnen.

Zufälligerweise hatte der Bauer einen Hahn bei sich, den er dem Pfarrer schenken wollte. Da er nun glaubte, dem Teufel ganz verfallen zu sein, sollte wenigstens der Hahn gerettet werden. Er knüpfte das Taschentuch darin er das Tier getragen, los und warf es hoch in die Luft. Aus Freude über die wiedergewonnene Freiheit krähte der Hahn laut in die Nacht hinaus. Alle Hähne der Umgegend stimmten in den Hahnenschrei ein. Da kam der Teufel angebraust. Warf wütend die mächtigen Felsstücke nach dem Bauern, der ihn überlistet hatte und verschwand mit fürchterlichem Schwefelgestank.

Die Steinblöcke liegen noch jetzt in Mehringen und heißen Hünensteine.

 

Der Riese bei Emsbüren

 

Eine halbe Stunde von Emsbüren liegen die Mehringer Hünensteine. Riesen haben dort auf ihrer Wanderung die Holzschuhe ausgeschüttet; dabei sind auch diese Steine mit herausgefallen.

Als später wieder einmal ein Riese in die Gegend kam und die Steine fand, spielte er mit ihnen nach Kinderart, indem er einige von ihnen auftürmte und sie dann mit anderen wieder umwarf. Der Lärm setzte ganz Emsbüren in Angst und Schrecken. Alle fürchteten zitternd, die Riese könne jeden Tag kommen, um sie der Reihe nach zu verspeisen.

Da kam ein altes, mageres Schneiderlein auf einen klugen, freilich auch gefährlichen Einfall. Aber der Schneider hatte Mut und wollte Emsbüren retten. Er sagte:“ Gebt mit zwölf Paar verschissene Schuhe. Die binde ich paarweise zusammen, hänge sie um und gehe so zu dem Riesen.“ Seine Bitte wurde sofort erfüllt, und ohne Zagen machte er sich auf den Weg. Als er bei dem Riesen anlangte, spielte dieser eben mit den Steinen. Verwundert hielt er inne und fragte. „Woher kommst du altes, mageres Kerlchen?“ Der Schneider antwortete: „Von Büren.“ „So, schon gut“, erwiderte der Riese, „dorthin wollte ich auch; denn da soll es manchen Leckerbissen geben. Weshalb aber hast du all diese Schuhe umgehängt?“ „Sieh“, sagte der Schneider darauf, „all diese Schuhe waren neu, als ich meine Reise antrat. Unterwegs sind sie verschlissen, und ich band sie zusammen, damit der Schuster sie flickt, wenn ich nach Hause komme.“ Da erstaunte der Riese und sagte: „Wenn Büren soweit entfernt ist, dann gehe ich lieber gar nicht hin. Scheinbar ist dort auch nicht viel zu holen, denn du altes, trockenes Schnörpelkerlchen bist nichts als Haut und Knochen. Lauf deiner Wege!“ So kam der Schneider glücklich wieder zu Hause an, und Emsbüren war gerettet.







 




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